Dirk Stermann - 20 Spritzer bis Amstetten
Inhaltsangabe eines Kabarettprogramms: Auf der Bühne im Rabenhoftheater stehen ein Tisch und ein Sessel, klassisch. Chris Lohner entschuldigt sich als ÖBB-Stimme vom Band für eine Verspätung aus einem benachbarten Ausland: “Ach was, wollen wir es offen aussprechen: Es ist Deutschland.“ Der Künstler kommt lustlos im Mantel und mit altem Koffer angelatscht und zieht sich den Mantel aus. Auf dem Rücken trägt er eine tote Katze. Er kommt gerade -imaginiert - vom Bahnhof, wohin er mit einem verspäteten Zug der Deutschen Bahn angereist ist, am Bahnhof wollte er die Rolltreppe ins Foyer hinunterfahren, die aber zwei Meter vorm Foyer stehen blieb. Anders, als die anderen Fahrgäste, die an ihm vorbei die Rolltreppe hinunter gingen, blieb er stehen, denn wenn schon Rolltreppe, dann Rolltreppe, da ist er störrisch. Eine alte Dame hinter ihm schob ihn nicht nur verbal an und fragte, warum er denn nicht weiter gehe. Während des Dialoges, in dem der Künstler die Dame mit weiblicher Stimme gibt, entdeckt die Dame die tote Katze auf seinem Rücken. Es ist, stellt sich heraus, eine Katzentasche, die ein Freund von ihm, nachdem er die Katze totgefahren hat, zur Halbkunst verarbeitet hat, denn der Freund war auf der Angewandten. Während alle längst die Rolltreppe verlassen haben, scrollt er immer noch auf seinem Phone und stößt auf eine Seite namens Hirntot. Dort findet er etwas über das Kind Herbert Kickl, den „kleinen Kickl“, den „ganz kleinen Kickl“, mit dem in der Sandkiste niemand spielen wollte und den Glawischnig nur küsste, weil sie beim Flaschendrehen verloren hat. Kickls Mutter, wenn sie sich beim Fenster hinaus lehnte und nach dem kleinen Herbert schaute, schaute dabei „nach dem Rechten.“ Kickl sah er mal beim John Harris in einem Nyloneinteiler Übungen machen, er selbst hat heute keine Lust auf Fitness mehr, er würde im Gym höchstens seinen Körper abgeben und fit wieder abholen. Im Kasten fand er seine Camouflagehose nicht - ein “Sickerwitz”. Seine Agentur, bei der viele bekannte Künstler unter Vertrag waren und sind, unter ihnen Philipp Hochmair, wollte von ihm, dass er wieder ein Kabarett schreiben solle, nach dem großen Erfolg des letzten. Es freut ihn aber nicht, er will nicht, er singt ja mittlerweile lieber. Also schlug er der Agentur einen Gesangsabend vor mit dem Titel “Stermann singt”. Ein Freund, die KI, entwarf auch sogleich ein Plakat, mit dem er selbst zufrieden war, die Agentur aber nicht, denn die ist altmodisch und analog und wollten das Plakat selbst gestalten. Immerhin der Titel für die Show gefiel ihnen: “Stermann sinkt”, so haben sie ihn verstanden. Ein Missverständnis. Auch er selbst hört ja schon schlecht. Neulich sprach er mit einer, die Kärntnerin war, während er stets meinte, sie wäre Gärtnerin. Die Ohren werden größer, das Hörvermögen kleiner. Jemand übersetzte „Mental load“ mit „Lodenmantel“. Er wird auch immer älter, die Nasenhaare länger, aber mit 50 hat er noch ein Kind gezeugt, auf natürlichem Weg, daher nur ein Kind und keine Zwillinge. Als er nach Wien kam, lebte er in einer Wohnung, die so klein war, dass er die Türe öffnen musste, wenn er eine Erektion bekam. In seiner Agentur, in der er manchmal an Wochenenden besoffen schläft, steht seit Jahrzehnten ein halbleeres Glas Milch auf einem Tisch, aus dem der große Oskar Werner genippt hat, und weil der narzisstische Agenturkollege Philipp Hochmair ein großer Fan von Oskar Werner ist, kommt er am Wochenende oft heimlich in die Agentur, betrachtet das stinkende Glas, öffnet sein Hemd bis zum Bauchnabel und spricht, das Glas betrachtend, den Erlkönig. Bis der besoffene Gast sich bemerkbar macht. Philipp Hochmair hat den gleichen Eyeliner wie J.D. Vance. Das traurigste an Donald Trump ist nicht, dass er ein ungeliebtes Kind war, sondern dass er so einen gewaltigen Arsch hat, für den es vier Nähte braucht, damit er überhaupt unter das Sakko passt. Die Slowaken klatschen ihre Kinder mit dem Hinterkopf auf den Tisch, das verflacht den Schädel, darum fallen diese Kinder nie runter, anders als andere Kinder. Stermanns Onkel arbeitete in Duisburg im Werk, er hatte eine Staublunge, eine Staubleber und eine Staubprostata. Der kleine Dirk wusste bis dahin nicht, was eine Prostata ist, der Onkel erklärte es ihm so: „Dirki, die hast du, damit es beim Wichsen nicht staubt.“ Beim Onkel staubte es dann aber trotzdem. In South Dakota, das südlich von North Dakota liegt, kannte er mal einen, der zu ihm sagte: „Störman“, was Englisch für Stermann ist: „Mein Land ist so groß, dass ich, wenn ich in der Früh wegfahre, erst am Abend an der Grenze meines Landes ankomme.“ „So ein beschissenes Auto hatte ich auch mal“ lautete die Antwort. Im Zug nach Amstetten sah er mal einen, der 20 Spritzer bis dorthin trank, machte einen Spritzer pro vier Minuten. Kurz vor dem Ziel trank er noch ein Seiterl, denn: „Wein auf Bier, das rate ich dir.“ - „Bier auf Wein, das lasse sein“, sprach sogleich einer im Publikum mit, aber denkste: „Bier auf Wein, das rate ich dir.“ Die ÖBB wäre ein sympathisches Unternehmen mit einem permanenten Damenspitz. Einmal lag er im Bad neben einem, der DEUTSCHAND in Runenschrift auf die Wampe tätowiert hatte, er sagte ihm, da fehle ein L, die Freundin des Tätowierten sagte wiederum ihm, Lauchsuppe ohne L wäre Auchsuppe. In Duisburg maturierten vor 40 Jahren zwei, die anderen des Jahrgangs gingen ins Stahlwerk. Der eine von den beiden fuhr nach Wien, der andere hieß Volker und fuhr nach Berlin. Auf beider Rückkehr warten sie in Duisburg noch heute, denn Verspätungen der Deutschen Bahn im Bereich von 40 Jahren wären normal. Man könne schwanger einsteigen und mit einem Schulkind am Ziel ankommen. Der nach Berlin ging, zog dann weiter nach Brandenburg ins Nazidorf, schuf sich drei Bienenstöcke an, aber die Nazis fackelten einen nach dem anderen ab - was dort zum Bienensterben führte. Sie liefen mit Schildern durch den Ort, auf denen „Ich bin das Volk“ stand, Volker hielt mit seinem Schild dagegen: „Ich bin Volker.“ In St. Pölten stand mal eine Ehrung für Johanna Mikl-Leitner an, Seiler und Speer, die er stets Seiler oder Speer nennt, sollten die Laudatio halten, alle Berühmtheiten Niederösterreichs waren anwesend (Schweigen beim Aufzählen der Berühmtheiten), er machte die beiden backstage mit Marillenschnaps laudatiounfähig und übernahm das Mikro selbst. Dabei konnte er endlich seiner Liebe zum Singen nachgehen und sang (und singt) ein Musicallied mit dem Titel Johanna, was Johanna nicht gefiel. Sie schaute ihn an wie Kim in Nordkorea seinen Onkel, den er erschießen ließ, so etwas nennt man „entfernte Verwandte“. Auf der Rückreise nahmen ihn Seiler oder Speer mit, er sang (und singt) „Bundesstraße, bring mich heim“ nach der Melodie von Take me home, Country road. Abgang. Tosender Applaus. Pause.