Anna Horn

Anna Horn (45) ist Direktorin des Kindertheaters Dschungel in Wien. Foto: Privat

An einem heißen Sommertag findet die in der DDR Geborene Zeit, aus ihrem Wiener Dschungel herauszutelefonieren, im gleichnamigen Kindertheater hat sie gerade den Job als Direktorin angetreten: "Es hallt ein bisschen, weil der Raum noch leer ist. Es ist alles sehr aufregend, eine schöne Zeit!" Ist sie als Kindertheaterdirektorin denn auch Expertin für Kinderliteratur? Sie lacht: In Erinnerung sind ihr die Bücher des russischen Lehrers Alexander Wolkow, der Kinderbuchklassiker aus dem Land des Feindes nachdichtete:

Aus dem Zauberer von Oz machte er kurzerhand Der Zauberer in der Smaragdenstadt, aus dem Waisenkind Dorothy machte er Elli, die bei ihren Eltern lebt, aus dem Zauberer Oz den Zauberer Goodwin, der Tin Man ist bei ihm aus Eisen. Die Bücher waren so erfolgreich, dass er gleich ein paar Fortsetzungen schreiben musste.

Nach einer Zeit im Westen, "wo ich Klamotten, Stil und Bücher der dortigen Jugend angenommen hatte", arbeitete sie ab 2004 als Regieassistentin bei Regieberserker Castorf an der Berliner Volksbühne, der dort zwei Jahre zuvor Dostojewskis Der Idiot als Sechs-Stunden-Marathon mit Martin Wuttke als scheiterndem Gutmenschen auf die Bühne gebracht hatte. "Das ist ein Buch, das einen ein Leben lang begleitet", sagt sie.

"Diese sehr stolze Welt des Fürsten Myschkin", den Dostojewski als "Fürsten Christus" entworfen hatte, "der in dieser russischen Gesellschaft landet, nachdem er reich geworden war, hat mich begeistert und verändert. Diese glamourösen Sommerhäuser, die Gespräche darüber, wen man heiraten soll, das Beamtentum und die trunksüchtigen Generäle, unbeugsame Frauen wie diese Nastassja und ihre Andersartigkeit – das alles ist einem gleichzeitig nahe und fremd.

Und dass der Fürst so gar nicht begreift, wie es wirklich läuft, dass er sein Geld herschenkt, wo alle anderen es raffen, dass er sogar seine Liebe verschenkt, wo alle anderen nur richtig heiraten wollen – das Kindliche wird, wenn man erwachsen ist, als etwas Dümmliches gesehen", sagt sie. Und das findet sie schade.

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Alfons Haider