Ulla Harms

Ulla Harms leitet und besitzt das https://www.buchkontor.at/. Foto: Coco Bibawy

Sie ist seit 17 Jahren Grätzelbuchhändlerin im Wiener Nibelungenviertel: „Damals hieß das hier Rudolfscrime, und alle haben geglaubt, ich bin geistesgestört, weil absolut nichts da war außer der der katholische Kindergarten gegenüber“ mit dem Pfarrer Martin in der Kirche daneben, der auch mal auf einem Pferd zum Martinsfest geritten kam. Guter Typ! In der Lugner City hatte zuvor das Buch & Co. zugesperrt, in dem mit Philipp Gerger einer der besten Buchhändler der Stadt überhaupt gestanden ist. Die Lücke, die er hinterlassen hat, konnte sie schnell füllen, auch mit Lehrlingen, die sie seither ausbildet.

Für ihre unzähligen Veranstaltungen hat sie noch nie einen Cent Förderung vom Bezirk bekommen, aus Platzgründen musste sie dafür mehrfach in den Pfarrsaal ausweichen. „Als der Joachim Meyerhoff mit seinem ersten Buch hier war, kamen nur wenige in die Buchhandlung. Beim zweiten Buch war er ein paar Tage zuvor in Willkommen Österreich, und der Pfarrsaal platzte aus allen Nähten.“ Auch lustig:  Als Tarkis Würger sein dramatisches Naziüberläuferinnenbuch Stella, vorstellte, war besagter Pfarrsaal bereits für das Faschingsgschnas dekoriert.

Lieblingsbücher hat eine Buchhändlerin Tausende, sie möchte Elias Canettis Die gerettete Zunge allen Wutbürgern in den Straßenbahnen der Stadt zur Lektüre empfehlen, „weil man sich heute keine Vorstellung davon macht, was für ein Vielvölkergemisch Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts war.“ Da hat man „Ausländer raus!“ in Dutzenden Sprachen gerufen. Carl Zuckmayers Als wär´s ein Stück von mir las sie als junge Frau in Vermont, wo dieser gezwungen war, eine Farm zu betreiben, nachdem er vor den Nazis flüchten musste. Zuvor hatte er mit dem Stück Der fröhliche Weinberg so viel Geld verdient, dass er sich in Henndorf am Wallersee ein Haus kaufen konnte, wo er einen armen Schriftsteller unterstützte, der einen Enkel hatte, mit dem seine eigenen Kinder spielten. Dieser Enkel hieß Thomas Bernhard. „Mich fasziniert, wie verrückt und verwoben Schicksale oft sind.“ Und denen zu folgen gelänge am besten, wenn man solche Bücher lese.

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Carmen Schwarz