Ulrike
Ulrike ist 46. Ulrike ist 46. Sie sitzt ganz alleine in dem sehr lauten Gastgarten des Café Westend bei schattigen Temperaturen. Seit sie fünf ist, liest sie Bücher, so auch heute. „Bis dahin ist mir immer vorgelesen worden, allerdings hat mir das dann nicht mehr gereicht, ich wollte selber wissen, wie es weitergeht.“ Wie es mit ihr als Leserin weiterging, war daher irgendwie klar: „Lesen mit Taschenlampe unter der Decke, Lesen mit Klemmspot am Bett.“ Ein bisserl süchtig ist sie damals geworden, zunächst nach den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur, bald aber auch nach Edgar Wallace und Agatha Christie: „Die führe ich mir auch heute immer wieder zu Gemüte“, lacht sie.
Sie besuchte die VS Zieglergasse und danach das Gymnasium in der Kandlgasse im siebenten Wiener Gemeindebezirk. Die Eltern konnten ihre Sucht stillen, die hatten 1. eine sehr große Reclam-Hefterl-Sammlung, bei deren Anblick sie sich immer wieder dachte: „Da greif ich jetzt hin, schaun wir mal, ob das was für mich sein könnte.“ Da war dann Goethe dabei, der was für sie war, oder Nestroy, von dem die Eltern eine Gesamtausgabe hatten. Und 2. hatten die Eltern ein Abonnement für eine Gesamtausgabe aller Literaturnobelpreisträger abgeschlossen, da wurde dann schon ihre immer stärker werdende Liebe für die schöne Sprache bedient und sie verschaffte sich einen Überblick: Von Knut Hamsun über Rudyard Kipling und Selma Lagerlöf bis zu Ernest Hemingway und Thomas Mann … naja, was soll man sagen: Alle halt!
Und was die schöne Sprache angeht: „Einmal im Jahr mindestens muss ich Die Strudelhofstiege lesen, weil das so schön ist. Die Merowinger sind nicht weniger schön, „aber das Buch hat mir mal jemand geklaut.“ Und Der Mann ohne Eigenschaften im Vergleich dazu? „Zaaaaach!“
Jüngst schenkte ihr ein Freund Holzfällen von Thomas Bernhard, das sie noch nicht kannte und sofort verschlang, seine frühen Bücher wie Atem oder Im Keller kannte sie natürlich längst ebenso wie Auslöschung – Eine Andeutung - und nichts davon wirkt jemals schal beim Noch-Einmal-Lesen.
Dazwischen darf es auch mal Rita Falk mit dem Steckerlfischfiasko sein, an der ihr vor allem das eigentlich Unmögliche gefällt: Dass sich nämlich eine Frau so in das Wesen eines Mannes hineinversetzen kann, „also das ist … es ist einfach wirklich… unglaublich, faszinierend! So sind die Männer nämlich, genauso!“
Ulrikes Eltern waren übrigens keine Bürgerlichen, ihr Vater war Eisenbahner und die Mutter Arzthelferin, bis sie geheiratet hat. Ulrike selbst hat nach der Matura zwei Semester Archäologie studiert und dann ihre beiden Töchter bekommen, es folgte viel Carearbeit…. Klassisch! Die Mädchen sind nun außer Haus, „die eine macht eine Tischlerlehre und die andere arbeitet in einem Gartengeschäft.“
Und ihre Mutter liest und liest und liest ….
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