Frederic von Anhalt

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Im Fühling 2019 interviewte ich Frederic von Anhalt, der auf dem Weg nach Budapest war, um Besitztümer seiner ehemaligen Frau Zsa Zsa Gabor zurück zu bekommen. Damals war Trump erstmals Präsident, Kurz Kanzler, das Ibiza Video beschäftigte Österreich, die Migration, die EU-Wahl. Der Prinz äußerte sich zu allem.

Das Interview wollte niemand drucken.

Frederic von Anhalt wurde 1943 geboren und ließ sich zum Prinz adoptieren. Er lebt in Los Angeles, hatte politische Ambitionen und wurde bekannt durch zahlreiche kontroversielle Auftritte im deutschen und amerikanischen Fersehen.

Rebhandl: Sie sind in einem kleinen Dorf in Bayern ausgewachsen. Woher kam diese Sehnsucht, bei den Reichen dabei sein zu wollen?

Von Anhalt: Ich war im Ruhrpott in den 70er Jahren, die Zeit von Helmut Schmidt, die Steuerkassen waren voll, man ist nicht zur Bank gegangen und hat sich Geld geborgt, sondern die Leute untereinander haben Geld verborgt und hohe Zinsen verlangt, z.b. 50 %. Das waren die Geschäfte, die in den 70er Jahren über die Bühne gingen, da hatte ich sehr viel Geld gemacht. Dann kam ich nach München mit sehr viel Geld, und dort kam ich zwar in die Schickeria, die mir das Geld gleich wegnehmen wollte, aber nicht in die High Society. Damals war noch die Mauer in Berlin, alles hat sich in München abgespielt, aber der Adel in der High Society hat mich nicht akzeptiert. Also musste ich mir etwas einfallen lassen, und ich habe diese Adoption gemacht und wurde zum Prinzen.

Rebhandl: Sie gingen nach Amerika und haben den American way of life gelebt, ein sehr verschwenderischer Weg auch: Man fährt große Autos, verschwendet Unmengen Energie, schert sich nicht um die Umwelt. Sie wollten mal Gouverneur von Kalifornien werden, haben Sie sich für Themen wie Umweltschutz jemals interessiert? Minderheitenschutz, Obdachlosen usw. beschäftigt?

Von Anhalt: Wissen Sie, wir wählen ja unsere Abgeordneten, wir wählen ja unseren Präsidenten, und wir vertrauen ihm, dass er sich um diese Dinge kümmert, ein Einzelner kann da ja gar nichts machen, ein Einzelner schmeißt halt den Müll da hin, wo er hin gehört, der tut seinen Teil.

Rebhandl: Hat Amerika zur Zeit mit Donald Trump einen guten Präsidenten?

Von Anhalt: 1986 im August habe ich Zsa Zsa Gabor geheiratet, und im Oktober waren wir schon bei Ronald Reagan im Weißen Haus gewesen, für mich war das der mächtigste Mann der Welt, ich habe mich vorgestellt, ich war wie gefroren, aber er hat mich ein bisschen aufgelockert mit Berlin und so, und dann sagt er plötzlich zu mir: „I hope you are going to be a Republican“. Und dann habe ich ihm versprochen: Jawoll! Wir sind nach Los Angeles zurück und ich bin gleich bei den Republikanern eingetreten und habe die dann immer gewählt. Als dann Clinton an die Regierung kam, war er ein guter Präsident, den ich geliebt habe, unabhängig davon, was sich anschließend abgespielt hat….

Rebhandl: Oral office…

Von Anhalt: Wobei ich der Meinung bin, dass das bei vielen Präsidenten der Fall war, nur dass er halt aufgeflogen ist. Bei der letzten Wahl dann habe ich in Europa vorausgesagt, dass der Trump Präsident wird, obwohl ich ihn nur als Geschäftsmann aus Palm Beach kannte, wir haben ihn dort kennen gelernt.  Er hat immer sein Wort gehalten. Wir haben ihn sehr oft in New York getroffen, er hat ja dort das Plaza Hotel, und meine Frau wollte immer die Central Park Suite, und wenn die dann falsch gebucht haben, hat sie nach Donald gefragt, und der ist gekommen hat immer gesagt : „Okay, for you the Central Park Suite“. Er ist ein knallharter Geschäftsmann, und das ist es, was Amerika braucht. Ich muss zu meinem Präsidenten stehen, wenn ich ihn nicht unterstütze, kann er nicht regieren. Was er bis jetzt gemacht hat, war gut: Die Steuern sind gesenkt. 3,6 Prozent Arbeitslosigkeit. Die Wirtschaft boomt. Der Dollar ist stark, das merkt man beim Reisen. Also ich bin zufrieden.

Rebhandl: Die Reichen sind immer zufrieden, wenn die Steuern gesenkt werden. Aber das kann ja nicht immer das einzige sein, dass die Reichen die Steuern gesenkt kriegen und immer noch reicher werden.

Von Anhalt: Die Steuern sind gesenkt worden auch für den Kleinen Mann. Vor allem hat Trump Medicare eine aufs Dach gegeben und den Pharmazeuten eine aufs Dach gegeben, er hat schon Angriffe gemacht auch für den kleinen Mann. Aber Amerika ist sehr groß, und Amerika ist sehr teuer. Weil das Klima in Kalifornien das beste Klima ist in Amerika - wir haben zehn Monate Sonne und zwanzig Meilen Beach vor der Türe -, wollen viele Leute von Osten in den Westen, darum ist es teuer. Und das ist auch mit ein Grund, warum Trump sagt, er will die Mauer bauen. Die Mauer ist ja schon zum größten Teil gebaut.

Rebhandl: Da sind Sie auch dafür?

Von Anhalt: Da bin ich voll dafür! Weil sehr viel Schmutz herüber kommt!

Rebhandl: Sie meinen schmutzige Menschen?

Von Anhalt: Ich meine Kriminalität! Wenn ich sage Schmutz, dann meine ich Kriminalität. Es ist sehr viel Kriminalität. Wissen Sie: Leute, die aus einem armen Land kommen und nichts haben, die wollen ja was!

Rebhandl: Sie waren auch Zuwanderer.

Von Anhalt: Ich hatte ja schon Geld, und ich habe gearbeitet.

Rebhandl: Die Mauer soll also die Reichen davor schützen, dass „der Schmutz“ zu ihnen kommt?

Von Anhalt: Aber da brauchen wir doch gar nicht nach Amerika gehen, bleiben wir hier! Sehen Sie, Ihr Kanzler hat das doch perfekt gemacht, der hat gesagt: Ich bin ein Kanzler für die Österreicher und nicht für den Rest der Welt. Finden Sie das gut, dass Sie Steuern zahlen zum Beispiel 45 %, und dass ein Teil der Gelder geht an Leute, die rüber kommen und einfach nicht arbeiten, sondern sagen: Das steht im Grundgesetzt, ihr müsst uns Geld geben?

Rebhandl: Wer macht das?

Von Anhalt: Tausende!

Rebhandl: Das schreibt die Bild-Zeitung.

Von Anhalt: Nein! Ich lese die Süddeutsche und die FAZ! Aber ich gehe doch durch die Straßen, ich sehe das.

Rebhandl: Wer säubert die Gärten in Bel Air, wer putzt die Pools, wenn es die Einwanderer nicht machen?

Von Anhalt: Wir haben ja genügend Amerikaner, die das machen können!

Rebhandl: Es machen aber die armen Schlucker aus dem Süden. Meistens nicht angemeldet

Von Ahalt: Na, na, na, das dürfen Sie ja gar nicht! Das ist ja verboten!

Rebhandl: Sogar der Präsident ließ illegale Migranten für sich arbeiten.

Von Anhalt: Ja gut, ich lebe in Kaliforneien und nicht wie er in Florida oder New York. Das hat er gemacht, aber da war er noch nicht der Präsident  Jeder macht’s, man darf sich nur nicht erwischen lassen. Ich würde es nicht machen. Ich habe Poolman und Gärtner, die sind gemeldet, die zahlen ihre Steuern. Ich würde keine Illegalen reinlassen. 

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Rebhandl: Sie selbst mussten nicht vor einem Krieg fliehen, vor Folter und drohendem Tod.

Von Anhalt: Das ist richtig. Ja, da geht man dann halt … ja …. Richtig… Aber Bush, wir haben doch wohl im Irak aufgeräumt. Saddam Hussein wurde aufgehängt. Wir könne das ja auch mit Assad machen. Aber wir lassen ja Assad drin, die Europäer tun ja nix. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel mit der Ukraine. Das ist das ärmste Land. Europa will nicht, dass es zu Russland geht, aber auf der anderen Seite unterstützt sie die Ukraine auch nicht, die haben nichts zu essen. Wenn man Putin heute die Ukraine zurück gibt, dann geht es ihnen besser als jetzt …

Rebhandl: Weil Putin so ein guter Mann ist, der dann die Milliarden, die er in die eigene Tasche wirtschaftet, in der Ukraine verteilt?

Von Anhalt: Das machen Sie doch alle! Zeigen Sie mir einen Staatsmann, der nicht in die eigene Tasche wirtschaften! Gucken Sie mal Schröder an, der meiner Meinung nach ein guter Kanzler war, gucken Sie, wo der heute ist. 

Rebhandl: Bei Putin und seiner Gazprom.

Von Anhalt: Wissen Sie: Ein Präsident kann meinetwegen machen, was er will, solange er Gutes für mich tut. Was er nebenher macht, das interessiert mich überhaupt nicht. Dass die sich Milliarden einstecken das interessiert mich ja gar nicht, die sitzen ja an der Quelle, da ist payback time.

Rebhandl: Verfolgen Sie den Skandal, der Österreich gerade erschüttert, das Ibiza-Video?

Von Anhalt: Also, das ist ja etwas, was eigentlich verboten sein müsste. Jeder Mensch darf sich privat auslassen, und gerade wenn er auf Urlaub ist, da macht man eben Dinge, die man zuhause nicht machen kann… 

Rebhandl: Man nimmt Kokain…

Von Anhalt: … Da lässt man die Luft raus, da ist man ja frei, weil man ein paar Wochen später wieder arbeiten muss. Das müsste verboten sein. 

Rebhandl: Was?

Von Anhalt: Dass man jemanden aufzeichnet, ohne dass man es weiß.

Rebhandl: Aber das eigene Land darf man an die Russen ankaufen?

Von Anhalt: Vielleicht stimmt das ja alles gar nicht? Menschen erzählen ja Geschichten, um interessant zu wirken 

Rebhandl: Oder alles wurde ihm vom Geheimdienst vorgelesen, und er musste es sagen?

Von Anhalt: Ja, das ist ja möglich! Ich meine: Der Geheimdienst kann das schon machen. Wenn einer weg muss, dann muss er weg. Dann jubelt man ihm eine Geschichte unter und legt ihm was in den Mund, was er ausspuckt, und man taped es, und weg ist er vom Fenster. Das kann man mit jedem machen, wenn man das will… 

Rebhandl: Sind Sie auch schon mal getaped worden?

Von Anhalt: Wissen Sie, ich bin 75, mir geht im Grund alles am Arsch vorbei. Und wenn mich jemand taped bei sexuellen Dingen, dann werde ich ihn bitte, mir das Tape zu geben, damit ich es mir öfters anschauen kann. Also, man müsste erst mal recherchieren, wo das Tape herkommt, und die Leute einsperren oder bestrafen. 

Rebhandl: Also die einsperren, die das gemacht haben? Nicht die besoffenen, potenziell hochkorrupten Politiker, die das Wasser des eigenen Landes verkaufen wollen?

Von Anhalt: Wenn das legal ist mit dem Wasser und machbar, dann ist es okay! Alle legalen Geschäfte sind okay. Mit wem reden Sie überhaupt? Ich mache Geschäfte, seit ich lebe, und ich weiß: 40 % aller Geschäfte sind nicht legal! Sonst würden es ja keine Geschäfte …

Rebhandl: Gehören die dann auch ins Gefängnis, die illegale Geschäfte machen?

Von Anhalt: Nein, weil sie nicht erwischt werden! Wenn jeder erwischt werde würde, dann würde das ja nicht funktionieren.

Rebhandl: Weil die Gefängnisse dann zu klein wären?

Von Anhalt: Ach, hier in Österreich oder in Deutschlandm da gibt es ja gar keine richtigen Gefängnisse und Gesetze.

Rebhandl: Seit wann gibt es bei uns keine Gesetze?

Von Anhalt: Na, in Deutschland, da können Sie jemanden umbringen und kriegen vielleicht mal fünf Jahre, bei uns in Amerika werden sie aufgehängt, die Strafen sind ja so mild. Aber Ihr seid ja in Österreich wenigstens sehr sauber, ich habe bei Euch keine Leute mit Kopftüchern gesehen oder vermummte Leute, die habe ich hier nicht gesehen in Wien. Sie wissen ja nie, was darunter ist. 

Rebhandl: Das weiß man bei ihrer Baseballmütze auch nicht.

Von Anhalt: Aber da kriegen Sie keine Uzzi drunter. Unter den langen Kleidern können Sie alles drunter haben. 

Rebhandl: Einige der schlimmsten Massenmörder der USA in den letzten Jahren waren gut behütete, weiße Bürgerssöhne, die in der High School ihre Mitschüler erschießen.

Von Anhalt: Wir reden da über ein Land mit 330 Millionen Einwohner. Und Massenmörder, das hört sich immer an, als hätten wir eine Hundertschaft umgelegt. Massenmörder sagen wir schon zu einem, wenn er drei oder fünf oder zehn umbringt  

Rebhandl: Besitzen Sie selbst Waffen?

Von Anhalt: Ich hab vier Stück, ja.

Rebhandl: Eine Uzi?

Von Anhalt: Wofür brauch ich eine Uzi? Wenn ich mich verteidigen muss, dann gegen ein oder zwei Personen. Da brauche ich keine Schnellfeuergewehre. Gerade in Bel Air war ich zwei Mal bedroht, hab aber keine Waffe genommen  sondern nur einen baseball stick, und ich bin damit gut klar gekommen, ich habe den einmal auf die Mütze geschlagen und einmal auf die Schulter, das dürfen Sie, Sie dürfen auch jemanden erschießen auf dem Hof, wenn einer bei ihnen einbricht, dann dürfen Sie drauf halt, aber das hab ich nicht gemacht, der Mann wäre mit Sicherheit tot gewesen, deswegen hab ich den Baseballschläger genommen und habe ihn verletzt, der ist ins Krankenhaus gekommen, und die Sache war erledigt. Ich greife nur dann zur Waffe, wenn es wirklich nötig ist. 

Rebhandl: Haben Sie nicht auch das Gefühl, dass zu viele Amerikaner durch Schusswaffen sterben?

Von Anhalt: Das sind ja oft noch Kinder, die haben ja noch keine Ahnung! In Amerika ist man volljährig mit 21. Aber das sind oft junge Leute, ich war ja auch jung gewesen, und wir haben auch Cowboy gespielt …

Rebhandl: Sie meinen, wenn man unter 20 ist, dann kann man schon mal herum schießen?

Von Ahalt: Die Lust ist da! Man sieht die Western, die Krimis …

Rebhandl: Ich war auch mal unter 20, und ich hatte keine Lust, meine Mitschüler zu erschießen. 

Von Anhalt: Na gut, es ist nicht jeder so. Aber besonders die arbeitslose Jugend, die sind arm und haben eine Waffe, und wenn die sage,n wir gehen jetzt mal ein bisschen in den Wald und schießen die Bäume an. Die meisten Schießereien in Amerika sind alles junge Leute, die unter Drogen sind, und ihr seid ja in Europa mit Drogen sogar freier als wir in Amerika. Bei uns gibt es nur drei Bundesstaaten, wo es erlaubt ist, ihr Europäer habt ja damit angefangen…

Rebhandl: Rauchen Sie jetzt auch ein bisserl?

Von Anhalt: Es bringt mir nichts.

Rebhandl: Jetzt haben wir Europa-Wahl….

Von Anhalt: Ja, da halt ich überhaupt nichts von! Die Engländer lieben die Deutschen nicht, die Franzosen lieben die Engländer nicht, das ist doch Sodom und Gomorrah, das wird nicht funktionieren. Wo ich das gehört habe mit England, da war ich sehr happy, endlich wird England wieder britisch. Man kann das Pfund umtauschen, das ist immer so was Besonderes, wenn man über die Grenze kommt, vielleicht können Sie sich noch erinnern, wir in Deutschland hatten den Franken, der war farbig, das war ein schönes Geld. Das hat man sich gefreut. Ich bin total gegen ein vereintes Europa. Wir müssen ja die, die kein Geld haben, finanzieren. Da muss der Deutsche dann dafür arbeiten. Ich kann doch nicht zum Deutschen Arbeiter sagen: Hör zu, du musst jetzt ein bisschen länger arbeiten, wir brauchen mehr Geld, damit wir die anderen, die nichts arbeiten,  finanzieren können. Warum soll man das machen? Das find ich ja gar nicht richtig. Ich meine, ich war in Griechenland gewesen ein paar Mal, und hab da mein Geld ausgegeben, die leben ja von dem Geld, das man bringt. Ich bin mittags oder auch morgens durch die Straßen gegangen, die Cafés waren alle voll, die Straßen auch, die Leute haben getrunken und gefeiert, dann habe ich mir gedacht: Wann arbeiten die Leute überhaupt? Die sollen wir finanzieren? Das find ich eigentlich gar nicht richtig.

Rebhandl:  Wie läuft’s mit den Damen? Sind Sie verliebt?

Von Anhalt: Ich war ja 33 Jahr verheiratet. Ich könnte jetzt in einer Beziehung sein, aber ich weiß, dass es da immer gleich ums Geld geht und die Mädels immer gleich einkaufen gehen wollen… 

Rebhandl: Weil die nichts arbeiten wollen?

Von Anhalt: Dann fühle ich mich wie ein Sugardaddy, und das möchte ich ganz einfach nicht.

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Peter Filzmaier

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Artur Worsegg