Saturday Night Life

Aus dem Leben eines Superschnüfflers


Air war Kranfahrer, wobei er nicht wirklich „Air“ hieß, sondern Fritz. Aber wir sagten halt „Air“ zu ihm, weil er seit ungefähr 30 Jahren oben in seinem Führerhaus saß, fünf Tage die Woche, manchmal auch am Samstag. Nicht selten, dass er danach zu in Dirty Willys Swedish Pornhouse kam. Er hatte dann immer noch seine Arbeitskleidung an mitsamt den Stahlkappenschuhen und war müde vom langen Tageswerk, oft büselte er während der ersten Vorstellung ein. Nicht einmal Emmanuela Cunt konnte ihn noch begeistern, wenn sie irgendeinen Hammer lutschte, obwohl Air selbst immer einen Hammer in seiner Arbeiterhose stecken hatte.

Da sah man mal wieder, was Arbeit mit einem machen konnte!

Als Air jung war, konnte er mit seinem „Soll ich dir mein Kranhäuschen zeigen?“-Spruch bei den Girls noch punkten. Sie hatten dann nur meistens unterschätzt, wie lange es dauern konnte, die Stufen hinauf zu steigen. Je älter er aber wurde, desto einsamer wurde er auch, denn die Ladys, die sich für einen Krankfahrer interessierten, konnte er an den Fingern seiner Arbeiterhände abzählen. Nur sein alter Cassettenrcorder der Marke Braun und ein paar Musicasetten mit Discomusik darauf hielten ihn da oben noch irgendwie bei Laune.

Je älter wir aber selbst wurden, und je weniger wir selbst am Wochenende mit uns anzufangen wussten, desto öften fuhren wir Samstagnachts zu seinen Baustellen. Dort konnte man manchmal eine tadellose Flex finden, die man am darauffolgenden Montag verkaufen konnte, oder auch mal einen Rüttler, mit dem man selbst ein bisschen herumfahren konnte, weil das Rütteln darauf so viel Spaß machte.

Letzte Woche dann hatte Kubelka plötzlich eine bessere Idee. „He!“, sagte er. „Bei mir ist ein ehemaliges Discohäschen in Therapie, das nicht verwinden kann, dass die Discoära zu Ende ist.“

Wer konnte das schon verwinden?

„Die Lady führte früher das Take Five”, erzählte er weiter, “und besitzt heute die vielleicht größte Sammlung an Discokugeln.”

„Und?“, fragte ich. Er fing an mir auf die Nerven zu gehen, wenn ich nicht gleich verstand, auf welche Reise er uns mitnehmen wollte. „Willst du vielleicht, dass wir sie stehlen und am freien Discomarkt weiterverkaufen?“

Kubelka aber winkte ab: „Nur ausborgen! Und zwar die größte Discokugel Österreichs, die sie auch in ihrer Sammlung hat, nachdem sie früher in irgendeiner Tenne im Tiroler Unterland hing. Ich weiß auch, wo das Lager ist.“

Ich kapierte immer noch nicht, worauf er hinaus wollte. Aber da wir, wie gesagt, in dieser Samstagnacht nichts Besseres zu tun hatten, ließ ich mich dazu überreden, mit ihnen zu diesem Lager hinaus zu fahren.

„Und jetzt?“, fragte ich Ku.

Er bat Air, mit seinem Hammer auf das Schloss des Containers, in dem sich die Discokugeln befanden, einzudreschen, bis die Türe aufsprang. Im Container befand sich tatsächlich eine beeindruckende Sammlung an Discokugeln, und die größte von allen, von der Kubelka gesprochen hatte, lag gleich ganz vorne bei der Türe.

„Und jetzt?“, fragte ich wieder.

Er schlug vor, dass wir die Kugel auf die Gepäcksträger meines Datsuns wuchten und sie dort möglichst gut befestigen sollten. Und dann, schlug er vor, sollten wir damit zur Baustelle fahren, auf der gerade Airs höchster Kran stand - 30 Meter hoch und mit einem Ausleger von 40 Metern.

Ich ließ mich darauf ein, mit dieser Riesenkugel auf dem Dach meines Datsuns durch die Stadt zu gurken in Richtung Äußerer Mariahilferstraße, wo gerade ein Riesenwohnhaus mit Eigentumswohnungen gebaut wurde. Und mitten auf dieser Baustelle stand Airs Kran.

„Und jetzt?“, fragte ich.

Kubelka schlug vor, dass wir die Kugel an den Haken von Airs Kran hängen und Air dann hinauf klettern und das Teil hinaufziehen sollte. Wenn er dann oben wäre, dann könnte ich den Datsun zurücksetzen, und mit meinen Scheinwerfern die Kugel anleuchten. Mit ein wenig Glück, würde sich die Kugeln im leichten Sommerwind drehen, und wenn Air dann noch seinen Cassettenrecorder aufdrehen und mit voller Lautstärke „Stayin’ Alive“ spielen würde, während das Licht der Kugel in alle Richtungen streute, hätten wir vielleicht wieder mal ein wenig Spaß.

Und verdammt! Genauso war es dann auch.

BUY NOW:

https://buchkontor.buchkatalog.at/das-schwert-des-ostens-9783709979495

Weiter
Weiter

Schonnson damur