Albert Hosp
Er hat ja u.a. vier Jahre Blockflöte studiert, das Instrument des Horrors für alle Eltern, die mal einem Blockflötenkonzert ihrer Kinder in der Volksschule lauschen mussten. „Ich kenne dieses Diktum“, lacht er. „Die Blockflöte leidet an einem gemeinen Schicksal!“ Trotzdem hat er heuer zum Kremser Festival Imago Dei, das er kuratiert, „das fantastische fünfstimmige Blockflötenconsort Element of prime“ eingeladen, dazu wird Dörte Lyssewski aus Die Anatomie der Melancholie lesen, in dem der bekennend schwermütige Robert Burton (1577–1640) das gesamte Wissen seiner Zeit zur Schwarzgalligkeit zusammentrug. „Großartig!“
Gehört – um den bekannten Ö1-Werbespruch abzuwandeln - mehr gelesen? „Ja!“, sagt er entschieden und erinnert sich wie viele seiner Kollegen - ein wenig schwermütig - an das Funkhaus „als Ort des Geistes, wo auf jedem Tisch Bücher, Zeitungen oder CDs herumlagen“, während im derzeitigen Haus am Küniglberg Großraumbüros geschaffen wurden und an manchen Tischen gar Clean Desc Policy herrsche. In den alten Zeiten, erinnert er sich, rissen sich alle um Klara und die Sonne von Kazuo Ishiguro, das dort herumlag, und damals wurde er auch zum Anhänger der Reading lists von Barack Obama. Der „empfahl“ ihm Station Eleven von Evelyn Scott Mandel, „eines meiner absoluten Lieblingsbücher, das von einer Landschaft in Amerika nach einer Pandemie erzählt.
Oder Anthony Doerrs Wolkenkuckucksland: „Dieses Buch ist gestaltet, als würde man auf einer Konzertbühne drei oder vier Bands oder Ensembles erleben, die jeweils zwei oder drei Songs spielen, dann spielt noch ein Pianist ein Stück von Bach, und am Ende spielen sie wunderbarerweise alle zusammen.“ Dem Buch setzte der Autor die Widmung „An alle Bibliothekare dieser Welt und aller Zeiten“ voran, was ihm auch gefiel, weil er ein großer Fan der Büchereien in Wien und als solcher an einem Tag mal zu Fuß ein paar von ihnen abgegangen ist. Da war er auf der Suche nach den Krimis von Ed McBaine, einem seiner früheren Helden, der als Evan Hunter auch das Drehbuch für Hitchcocks The Birds schrieb. Und die Städtischen Büchereien hatten sie natürlich alle.