Katharina Braun
Unlängst hatte sie eine Mandantin, die einem Liebesschwindler aufgesessen war. Anstatt seine Haftstrafe anzutreten, blieb dieser auf freiem Fuß. Zufällig sah sie ihn auf einer Halloweenparty, wo er auch ihr schon zuwinkte: „Ich dachte mir, das gibt es ja nicht!“ Sie beschreibt ihn als gut vernetzten, gebildeten Mann, der mit dem Astrologieschmäh die Herzen der Damen öffnete: „Du musst wieder mehr Vertrauen in die Welt haben! - Im Übrigen bin ich ein bisserl verschuldet. – Ach, wechseln wir das Thema. – Was, du würdest es mir tatsächlich geben? – Du bist so etwas Besonderes!“
Ja, die Liebe! Erst unlängst las sie wieder Angst von Stefan Zweig, „wo eine gut situierte Dame, der ein bisserl fad ist, eine Affäre mit einem Klavierspieler anfängt. Plötzlich wird sie von einer Frau erpresst, die ihr vorwirft, sie hätte ihr den Mann ausgespannt. Sie taucht nun immer wieder auf, die Ehebrecherin bekommt Angst, dass ihr Mann schon davon weiß oder zumindest etwas ahnt.“ Sie lobt Zweigs „zeitlos schöne Sprache und sein Wissen um Wünsche und Sehnsüchte.“ Ähnlich geht es ihr mit Schnitzler, „auf den schon Freud eifersüchtig war“, weil er Das weite Land der Seele so ausführlich beschritten hatte. „Erst durch die Erpressung wird der Ehebrecherin bewusst, wie schön und kostbar ihr Leben eigentlich war. Am Ende stellt sich heraus, dass ihr eigener Mann selbst die Erpresserin angeheuert hat, damit seine Frau ihren Liebhaber verlässt.“ Sie fragt: Geben wir unsere Beziehungen nicht allzu leicht auf? Gehen wir überhaupt noch in die Tiefe, wenn wir immer das Nächstbessere suchen? Aus ihren vielen Scheidungsverfahren weiß sie, dass es oft um etwas anderes geht als um das Haus oder das Geld: „Ums Nie-Gehört-Werden ...“
Ganz anders und nicht annähernd auf der Höhe von Zweig, aber unterhaltsam: Meine dunkle Vanessa: „Eine junge Studentin hat ihre Freundin verloren, sie ist als 15jährige alleine am College. Da kommt der deutlich ältere Literaturprofessor, sie fühlt sich auserkoren.“ Die Ich-Erzählerin reflektiert in der Folge ihre Lolita-Geschichte, es geht um Schuld und Verantwortung, sie las das Buch sehr gerne.