Andrea Vilter

Andrea Vilter, 59, ist Intendantin des Grazer Schauspielhauses

Am Bayerischen Staatsschauspiel in München arbeitete sie als Dramaturgin mit Franz Xaver Kroetz zusammen: „Der hatte da eine gute Phase, er war sehr aufgeräumt, positiv und offen. Ich finde ihn sehr wichtig für diese Form des Volksstückes in der Tradition des Volkstheaters. Dass er Menschen, die man sonst nie sieht, eine Stimme gibt - in ihrem Idiom, dem Bayerischen.“

Anfang der 1990er-Jahre kam sie auch mit einem anderen Theaterberserker in Kontakt, mit Werner Schwab, der damals gerade seine Hochblüte erlebte. Gleich in ihrer ersten Spielzeit in Graz widmete sie ihm dann mit Schwabgasse 94 eine Collage seiner Arbeiten, „in der sich Figuren aus dem immer gleichen Kosmos begegnen, die Mariedl  oder der Herrmann Wurm.“  Seine Wut findet sie spannend: „Man sollte nicht alles weichspülen, wir brauchen kontroverse Kräfte und Auseinandersetzungen. Natürlich muss man dabei anständig miteinander umgehen, aber falsche Freundlichkeiten helfen uns heute auch nicht weiter.“

Als ihr „Lieblingsbuch zum Anfassen“ bezeichnet sie Winterreise von Elfriede Jelinek. Für die Akademietheater-Inszenierung des Stücks 2012 (Wir erinnern uns: Die Schipiste von Bühnenbildner Olaf Altmann!) arbeitete sie mit Regisseur Stefan Bachmann zusammen. Aus dieser Zeit besitzt sie ein Exemplar des Buches, das vollgekritzelt ist mit ihren Notizen. Letztes Jahr hat es ihr die Meisterin signiert, und sie schenkte es ihrer Tochter, die als damals 12jährige die Aufführung besuchte. „Prägend!“

Marlen Haushofer nennt sie „eine fantastische österreichische Autorin“, deren Novelle Wir töten Stella sie im Februar auf die Bühne bringen wird. Dafür hat sie sich auch in Daniela Strigls großartige Biografie vertieft. „Haushofer schreibt ebenso eindringlich wie lakonisch, sehr konzentriert lässt sie Atmosphären entstehen. Leider wird sie ja immer noch unterschätzt, wohl auch, weil sie sich durch ihr bürgerliches Leben in Steyr nicht so sehr in den Vordergrund gedrängt hat wie beispielsweise die Bachmann mit ihrem schillernden Leben in Rom. Da fehlte der Glamour. Wenn man aber nur aufs Werk schaut, ist sie herausragend.“

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Helga Kromp-Kolb

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Oliver Lehmann