Bernhard Eder

Bernhard Eder ist Musiker und Produzent. Low Life Rich Kids ist sein neuestes Bandprojekt.

Foto: Rebhandl

„Die Mama war Alleinerzieherin und wollte für uns Kinder keinen Fernseher.“ Bis er zwölf war, hat er also nur gelesen. Außer er war „mit den viele Kinder im gleichen Alter draußen, was ziemlich schön war. Wir kamen abends nass, zerschürft und dreckig zurück.“ So muss es sein! Noch heute fährt er im Sommer gerne dort hin, um ihr am Biohof zu helfen oder danach Musik aufzunehmen.

Für die er sich ab zwölf beinahe ausschließlich interessierte. Das nötige Ohrenfutter besorgte er sich in Ried i. Innkreis, wohin er mit dem Moped fuhr. „Oder es wurde mit Freunden getauscht, aber nur CDs, denn Platten gibt man nicht her.“ Als er selbst anfing, Musik zu machen, kam es vor, dass Literatur seine Songs beeinflusste: Für "No Man's Land" hat er Last things von Jenny Offill auf seine Art weitergesponnen. Murakami, Nick Hornby, Sven Regener oder Stuckrad-Barre las er auf Tour, wofür sie früher meist den Bus nahmen. Heute reist er viel mehr im Zug, und da nützt er die Zeit zum Arbeiten. Guter Vorsatz: „Ich möchte im Zug ab jetzt wieder mehr lesen.“

So wie damals, als er T.C. Boyles Drop City zum Geburtstag geschenkt bekommen und auf Tour mitgenommen hat. In Berlin, wo er wohnte, hat er sich in einem benachbarten Second Hand Buchladen gleich noch ein paar Bücher von ihm besorgt, aber dieses blieb sein Lieblingsbuch. Später hat er es „irgendjemandem aus seiner Band überlassen, aber ich weiß nicht mehr, wem.“ Zurück bekommt man diese Schätze nicht mehr, es ist wie mit den Platten. „Was mich so fasziniert an Drop City sind die verschiedenen Perspektiven und Geschichten, man wartet einfach nur noch darauf, wie sich die treffen. Die Typ- und Situationsbeschreibungen sind wahnsinnig ausführlich, es ist faszinierend, auf welche Details er achtet.“ Obwohl er nach abermaliger Lektüre sagen muss: „Die ausführlichen Personenbeschreibungen reduzieren sich bei Frauen oftmals auf die Haarfarbe und darauf, ob sie dick oder dünn sind. Und vor allem auch darauf, wie groß ihre Brüste sind. Das zieht sich durch’s ganze Buch, und aus heutiger Sicht finde ich das verstörend.“

https://www.lasvegasrecords.at/llrk

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Rosi Bednarik-Grieder