Rosi Bednarik-Grieder
Sie empfängt mich in ihrem wunderschönen alten Haus im Weinviertel mit 3000 m2 Grund. Von 1969 an hat sie über 30 Jahre lang zusammen mit ihrem damaligen Ehemann Lorenz Grieder die „Hallo Sparefroh“-Zeitung für die Zentralsparkasse verantwortet. Ihr Mann stammte aus der Schweiz, im Sommer gab sie Malkurse in Zermatt, „rundherum sind 28 4000er, Castor, Pollux und Breithorn habe ich bestiegen.“ Sie lernte die Fasnacht in Basel lieben und hoffte, dort auch einmal den verehrten Autor und Maler Jean Willi zu treffen, der aus dieser Stadt stammt, aber in ibiza lebt „und die Farben der Insel irrsinnig gut mit Worten einfangen kann und auch die menschlichen Stimmungen.“
Nicht zuletzt um die geht es in seinem Krimi Die Nacht erzählt uns ein Märchen: „Ein Ehepaar versucht auf Ibiza seine Ehe zu kitten, die Tochter kommt auch hin und wird ermordet. Die Mutter glaubt, den Mörder gesehen zu haben. Zurück in Basel, muss das Paar in der Krise auch noch den Tod der Tochter verarbeiten, sie planen die Anschaffung eines Hundes. Als die Mutter im Internet einen sucht, findet sie den Mörder…“ Spannend konstruiert!
Lesen war ihr neben der Malerei immer wichtig: „In Weitersfeld haben wir eine kleine Bücherei, wo ich mir gerade den letzten Schalko ausgeborgt habe.“ Sie liest immer in ihrem Bett mit dem Rücken zur Wand. Dabei stört sie, dass die Bücher nun immer so schlecht gebunden sind und man sie kaum öffnen kann. Sie hat in ihrem Haus keine Vorhänge – „Wer soll mir hereinschauen?“ - und es auch nie zugesperrt, „weil die Resi oder die Rosi, die vor mir da gewohnt haben, jedenfalls eine von denen zweien, irgendwann hingefallen ist und sich den Schenkelhals gebrochen hat. Sie ist dann die ganze Nacht hier gelegen, das Feuer im Ofen ging aus, in der Früh musste die Feuerwehr das Hoftor aufbrechen und den scharfen Hund erschießen, der sie beschützen wollte. Dann mussten sie auch das Haustor aufbrechen, um sie endlich ins Spital bringen zu können, wo sie aber schon tot angekommen ist, weil sie in der Nacht erfroren war.“ Wer schreibt also immer noch die ärgsten Geschichten? Das Leben!
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