Daniela Emminger
In Verführtes Denken von Czesław Miłosz steht dieser Satz: “When a writer is born into a family, the family is finished“. Genau das wäre ihr passiert, sagt sie. Darum ginge es ihr am besten, wenn sie möglichst weit weg von ihrer „dysfunktionalen Familie“ wäre. Die Arktis, dachte sie vor ein paar Monaten, wäre dafür ein guter Ort. Aber als sie dann für sechs Wochen mit kleinem Köfferchen dorthin reiste, empfand sie diese als „schräg, bizarr und ganz anders, als ich dachte.“ Keine Spur von Terra incognita, stattdessen viel zu viele Siedlungen mit zu vielen Menschen, vor denen sie ja eigentlich geflohen war: „Die behandeln dort ihre Wäsche mit Vanish Oxi Vorwaschspray!“ Dabei ist sie extra im Winter dorthin gereist, als keine Schifffahrt möglich war und sie nur mit Heli und Flugzeug bis nach Qaanaaq hinauf kam, wo es minus 50 Grad hatte. Dort waren gerade mal zwei schnelle Züge an einer Zigarette möglich, dann musste sie ihre Finger wieder einpacken. Lesen im Freien ging da natürlich gar nicht. Wenn sie aber mal nahe an einem Heizkörper saß, blätterte sie in Niemandsland – eine antarktische Entdeckungsreise von Adwin de Kluyver. Ein Buch, das sie für ihr eigenes Schreiben an einem Yeti-Roman verwenden konnte.
In Bruck a.d. Leitha, wo die Ruhelose, die gerade nicht weiß, wo sie eigentlich hingehört, in Schreibklausur ist, schläft sie in einem Autobett für Kinder mit Blaulicht oben dran, „weil es mir gerade nicht gut geht und ich schwer auf Rückzug bin. Das einzige, was mir da hilft, sind Kinderbücher mit heiler Welt. Oder wirklich absurde Bücher wie die von Daniil Charms oder Czeslaw Milosz, wo es ins Wahnsinnige geht. Da kann ich lachen.“ In Verführtes Denken geht es um eine Murti-Bing-Pille, die, wenn man sie schluckt, einem eine heitere und vergnügte Sicht auf die Welt in den Blutkreislauf jagen, „das fand ich total großartig.“ Wegen ihrer eigenen verkorksten Familiensituation denkt sie ja oft selbst daran, wie es wäre, wenn sie sich neu zusammenbauen könnte: Zwar mit ihrer Vergangenheit, aber halt auch ohne. So irgendwie. Denn wie gesagt: Ihr geht es gerade nicht so gut.