Ernst Grandits

Ernst Grandits, 74, ist TV-Journalist und Moderator

Er war der letzte, der beim Bachmannpreis noch mit der Zigarette im Studio sitzen durfte, mittlerweile hat sich das mit dem Rauchen auch unter Literaturaffinen weitgehend aufgehört, seiner Stimme hört man die Liebe freilich noch an. Und auf Buchmessen sieht man ihn immer noch im Freien stehen, zusammen mit den anderen aus der Branche, die eine heizen und über Bücher reden. Wobei: „Der Literaturbetrieb interessiert mich weniger als die Autoren, so ich sie kenne. Oder die Themen.“ Und so kommen wir doch wieder zum Rauchen bzw. zum Steinhof, wo ja der Lungenpavillon ist, aber auch der Pavillon 44.

Im gleichnamigen  Buch beschreibt Thomas Sautner „die Tragikomödie der menschlichen Psyche. Es wird darin alles abgehandelt von den Psychopharmaka bis zu allen möglichen Therapien. Und mit welchem Furor er auf wenigen Seiten die österreichische Schande des Euthanasiearztes Heinrich Gross beschreibt, das ist einfach grandios. Es wird aber auch über das Schreiben an sich reflektiert und die Frage, was ist normal und was ist Wahnsinn. Zwei Patienten kommen in die Stadt, einer nennt sich Jesus und macht sich auf die Suche nach dem Haus Gottes, im Café Prückel wird er auffällig… . Der Sautner hat einen hintergründigen Humor, es ist ein echtes Lesevergnügen.“

Davis Szalays Was nicht gesagt werden kann hat er in seiner Buchhandlung Analog im 6. Bezirk entdeckt, bevor dieser den Booker Prize gewann, darin blätterte er ein wenig und dachte: „Wow, das muss ich unbedingt lesen!“ Die Buchhandlung ist sehr klein, trotzdem geht er darin gerne „spazieren“ und lässt sich von den Buchcovern verführen, die insbesondere bei österreichischen und deutschen Verlagen oft wahre Meisterwerke wären. Er vergleicht sie mit Weinetiketten: „Es gibt welche, die führen in die Irre, und es gibt perfekte, die zum Inhalt passen.“ Früher ist er auch in die klassischen Verlagskataloge geradezu eingetaucht, „das waren graphische Wunderkammern“, über die sich trefflich diskutieren ließ. Mit einem Zigaretterl in der einen Hand und einem Glaserl Wein in der anderen.

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Helga Kromp-Kolb