Hans Mahr
Hans Mahr, 76, war Journalist und Medienmanager u.a. bei der Kronenzeitung und bei RTL. Heute betreibt er die Medienseite www.thehans.tv Foto: Rebhandl
Als er in der Geblergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk ins Gymnasium ging, las er dort unterm Tisch heimlich „das ein bisserl linksradikale Konkret, wo der Stefan Aust noch Mitarbeiter war. Dann haben sie es mir immer weggenommen.“ Für Bücher war die Schublade zu klein, aber er erinnert sich, dass er ab 1959 „eine erste Welle progressiver Literatur“ gelesen hat. Nachhaltig bewegt hat ihn Die verlorene Ehre der Katharina Blum von Heinrich Böll: „Dieses Buch war wie ein Fanal, es zeigte mir, was in meinem Beruf angerichtet werden kann und worauf man aufpassen muss. Es blieb eine Art Wegweiser für mich, ein moralischer Kompass.“
Der Kronenzeitung, wo er bald als Reporter zu arbeiten begann, verdankt er indirekt seine heutige Rolle als THEHANS. Als solcher postet er auf Instagram über gutes Essen: „Im Krone-Turm in der Muthgasse gab es in den 70erjahren eine schreckliche Kantine, ich konnte dort einfach nicht essen und musste mir außerhalb etwas suchen. Wenn ich aber schon fürs Essen bezahlen musste, dann wollte ich etwas Ordentliches haben.“ So begann der Weitgereiste darüber zu schreiben, und nun redet er auch darüber.
Mahr und Sargnagel? Geht das überhaupt? Er las in der Süddeutschen eine Rezension und dachte mit wohlwollender Neugier: „Ah, schrieb sie schon wieder was Bösartiges?“ Er wusste: „Das ist Literatur, über die man streiten kann, über die man lachen und sich ärgern kann. Aber wenn ein Buch einen kalt lässt, ist es ja kein gutes Buch. Wichtig ist, dass es Gefühle auslöst.“ Er hat es sich gleich bestellt und in zwei Stunden ausgelesen: „Es ist vergnüglich, unterhaltsam, aufklärend und … ja, bösartig. Aber Sargnagel ohne Bösartigkeit ist keine Sargnagel.“ Als häufiger Opernballbesucher weiß er: „Die Stimmungen dort hat sie gut eingefangen. Natürlich überhöht sie vieles, aber das muss man ihr zubilligen. Und ja, unser ehemaliger Bundeskanzler und Außenminister Schallenberg wird womöglich nicht begeistert sein, so wie er darin verramscht wird. Aber soweit ich ihn kenne, wir er darüber hinwegkommen …“