Ingrid Lang

Ingrid Lang ist Schauspielerin, Regisseurin und künstlerische Leiterin des Hamakom-Theaters Wien

Sie wird in diesen Wochen umziehen: „Sechs Mieterhöhungen in vier Jahren, das ist ein Wahnsinn!" Gegen die leichte Kunst der Sommertheaterkomödie hingegen hat sie nichts, „wenn sie gut gemacht ist, mit Hirn und Herz. Was ich nicht mag, ist gefällige Schenkelklopferkomödie." Sehr lustig fand sie letztes Jahr Die eingebildete Kranke von Molière in der Regie von Leander Haußmann für das Stadttheater Haag. „Das Schöne an ihm ist, dass er den Figuren bei aller Überzeichnung eine tolle Tiefe schenkt."

In ihrer neuen Wohnung wird es ihr weiterhin darum gehen, „die Welt neu zu denken, um aus alten dysfunktionalen Mustern auszubrechen." Wie das Donna Haraway in ihren Büchern tut, die sich mit sozialistischem Feminismus, Wissenschaft, Primaten, Cyborgs und Haustieren beschäftigen. Oder Marlene Streeruwitz, die sich im Handbuch für die Liebe mit „dieser subversiven Kraft auseinandersetzt, die uns Freiheit erst ermöglicht und uns weniger kontrollierbar macht." Anne Bennent und Michou Friesz lasen es 2024 zusammen mit ihr im Hamakom-Theater. „Das hat mir extrem viel Spaß gemacht. Wenn man hört, wie jemand anderer diesen nicht einfachen Text neu denkt und ihm eine eigene Musikalität gibt, ist das großartig."

Bluets von Maggie Nelson beschäftigt sich mit der verlorenen Liebe. „Es ist ein sehr tröstliches Buch, geschrieben in einer Phase langanhaltenden Liebeskummers. Trotz des Schmerzes ist alles darin in Bewegung, die Trauer ist nicht der Abgrund, in dem man liegen bleiben muss." Die Autorin nutzt die Farbe Blau, um sich selbst zu erkunden. „Sie ist dabei sehr großzügig, bringt sich als Ganzes ein, sehr sinnlich, sehr körperlich, mit viel Verstand." Einen Satz aus diesem Buch möchte sie teilen: „Sich zu wünschen, man könne vergessen, wie sehr man jemanden geliebt hat, und dann tatsächlich zu vergessen, das kann sich zeitweilig anfühlen wie das Schlachten eines schönen Vogels, der sich durch nichts weniger als durch Gnade dazu entschieden hat, in deinem Herzen sein Nest zu bauen." Schön? Wunderschön!

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Rotraut Schöberl