Ralph Gleis
Ralph Gleis, 53, ist Kunsthistoriker und Direktor der Albertina Wien. Foto: Albertina
Bei dieser Hitze empfiehlt er den Leuten natürlich, „seine“ Albertina zu besuchen, um sich dort abzukühlen. „Schließlich sind wir das buchstäblich coolste Museum der Stadt, bei 21 Grad in den Ausstellungssälen.“ Ein gutes Raumklima wäre entscheidend für Mensch und Kunst. „Die Grafische Sammlung darf nicht austrocknen, sonst wird das Papier brüchig, es darf auch nicht feucht werden, sonst schimmelt es.“
Außerhalb der Albertina zieht er im Sommer Naturgewässer Schwimmbädern vor, und dort liest er häufiger Non-Fiction als anderes. Zuletzt von Andrea Wulf Die fabelhaften Rebellen „über die Frühromantiker in der Universitätsstadt Jena.“ In der Schule hatte er Deutsch als Leistungsfach, „früh interessierten mich Romane, die historische Realität mit literarischer Fiktion verbinden.“ Diesen Anspruch erfüllen für ihn Daniel Kehlmann oder Umberto Eco, dessen Der Name der Rose ihn gepackt hat, als er es in der Oberstufe las. Danach interessierte er sich für mittelalterliche Philosophie, Scholastik oder Semiotik, noch nicht wissend, dass er das Fach als Erasmus-Student ab 1999 in Bologna bei Eco selbst belegen würde.
„Er war so ein knubbeliger Mensch mit gewisser Leibesfülle, ein Bologneser Genießer sozusagen. Im Verhältnis zu den anderen Professoren hatte er schon einen gewissen Starkult, aber er hat sich nicht hingesetzt und über seine Bücher geredet oder gar Autogramme verteilt. Seine Seminare waren wirklich sehr anspruchsvoll und theorielastig.“ Er besitzt noch die Dtv-Ausgabe mit D-Mark-Preispickerl drauf, 12. Auflage aus 1987. Auf dem Umschlag sieht man den Teil eines Frescos von Giotto. „Für mich geht es in dem Buch vor allem um Wahrheit und Interpretation. Das ist so ein toller Kniff von Eco: Über Wissenschaften zu reflektieren und gleichzeitig über das Lachen, das im Mittelalter als böse angesehen wurde. Das verfolgt mich programmatisch bis in die Albertina, wo auch ich beides verbinden möchte: Den BesucherInnen gut aufbereitet wissenschaftlich fundierte Arbeiten zu zeigen, deren Betrachtung ihnen Freude bereiten soll.“ In Räumen, in denen sie auch Kühlung finden.
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