Sonja Altenburger (Extended Version)

Sonja Altenburger ist Buchhändlerin in 6240 Rattenberg/Tirol

Ihr Vater, jahrzehntelanger Inhaber der familieneigenen Buchhandlung „Armütter seit 1799“ in Rattenberg/Tirol, verstarb im vergangenen Mai 88jährig während einer Autofahrt an einem Herzinfarkt, nachdem er zuvor in der kleinsten Stadtgemeinde Österreichs sehr viele Menschen mit seinen Buchtipps sehr glücklich gemacht hatte. Er ruhe in Frieden. 

Die Tochter führt die Buchhandlung seit 1998 und agiert nebenher als Obfrau der Wirtschaftskammer Tirol. „Normalerweise hast du ja immer Erzeuger oder Händler. Unsere Fachgruppe Buch und Medien ist aber in der Sparte 7 Information und Consulting beheimatet und vereint sowohl alle Verlage als auch alle Buchhandlungen, das sind 12 Leute, die sich in Tirol treffen. Dabei überlegt man, was man branchenmäßig fürs eigene Bundesland weiterbringen kann.“ Zwei oder dreimal im Jahr treffen sich aber auch alle Fachgruppenobleute in Wien. „Und zwar sechada – also face to face -, wie wir in Tirol sagen, oder virtuell. Da geht es um etwas. Wir vertreten auch die Schulbuchverlage und Schulbuchbuchhandlungen. Gerade in den Ferien, wo 6000 Schulen auf Urlaub sind, kommissionieren wir die Bücher und sorgen dafür, dass mit Schulbeginn alle SchülerInnen ihre Schulbücher in der Anzahl, die sie brauchen, zur Verfügung haben. Versehen mit einem Digi-for-School-Code hinten drauf, was sie als digitales Schulbuch nutzbar macht.“

Wie wird man Schulbuchbuchhandlung? „Man muss während des gesamten Jahres ein ordentliches Sortiment an Büchern haben und mindestens 30 Prozent des Jahresumsatzes damit erzielen. Außerdem musst du Leseförderung betreiben, sprich: Büchertische an Elternsprechtagen organisieren oder Lesungen in Schulen. Insgesamt muss immer wieder vermittelt werden, wie wichtig Lesen und Vorlesen ist, und dass nur durch Vermittlung der Sprache die Basis für ein späteres erfolgreiches Berufs- und Alltagsleben gelegt werden kann.“ All das werde überprüft, man könne den Status also auch wieder verlieren. „Da sind wir recht streng.“

Bei ihr besteht keine Gefahr, nur 30 Prozent des Umsatzes mit „normalen“ Büchern zu machen. Ihr Sortiment baut sie mit ihrer angestellten Buchhändlerin so zusammen: „Erstens gibt es eigene Bestellprogramme, wo man die Verlagsvorschauen in digitaler Form bekommt und die gewünschte Stückzahl einträgt. Zweitens gibt es die Leseexemplare, die man vorab von den Verlagen zugeschickt bekommt und von denen ich pro Monat 15 bis 20 lese. Drittes kommen die Verlagsvertreter auf Frühlings- und Herbstreise vorbei, die meinen Geschmack und den unserer Kunden schon sehr gut kennen. Und viertes hat man seine LieblingsautorInnen, von denen man selbst so begeistert ist, dass man sie von sich aus immer wieder empfiehlt.“

Dass die Familie seit 1799 in der gleichen Immobilie eine Buchhandlung betreibt, hat ihnen ein leidlich gutes Ein- und Auskommen verschafft, „reich wird man damit nicht. Aber ist es der Sinn des Lebens, reich zu werden?“ Wichtiger ist ihr, „dass ich mit so vielen guten Leuten in Kontakt komme.“ Sie hat ja keinen Fernseher, daher sind ihr Bücher und Menschen wirklich alles. Einen Teil ihres Umsatzes erzielt sie auch mit Besuchern des Europäische Forums in Alpbach, „das gleich um die Ecke liegt und jedes Jahr viele interessante Köpfe zu uns bringt, die man sonst nie treffen würde.“ Sie machen dort auch den Büchertisch, „da darf man selbst ein bisschen mitschnuppern an dieser hochgeistigen Gesellschaft, die perfekt in die wunderschöne Landschaft passt.“ Oft kämen auch Urlauber, die in Hamburg oder Bremen eine eigene Buchhandlung hätten und ganz aus dem Häuschen wären, weil es bei ihnen in Rattenberg eine Buchhandlung gibt.

Die freuen sich dann vielleicht auch über „ihren Deutschen“ David Safier, den sie stapelweise anbietet. „Ich schätze ihn schon lange, er hat ja mit ihrer Pensionierung die Miss-Merkel-Reihe ins Leben gerufen. Dieser hat er nun den 00-Laschet als Protagonisten hinzugefügt. Das ist eine locker-flockige und richtig lustige Schwimmbadlektüre: Laschet will es sich als Bundespräsident im Schloss Bellevue gemütlich einrichten, aber ein sehr geheimer Geheimdienst hat darunter seinen Sitz, und er muss in der Folge als 00-Laschet immer wieder die Menschheit retten. Dabei trifft er, der ja nicht das beste Äußere hat, stets auf die Schlanken und Reichen. Auch auf Madonna, die ja heute auch nicht mehr die Jüngste ist.“ Als Leserin suche sie ja oft „den Regiefehler“ und fragt sich: „Geht das überhaupt alles zusammen?“ Das tut es, „denn der Safier kann das richtig gut.“ Bei ihr freilich war er noch nie in der Buchhandlung, um daraus vorzulesen. „Weil der spielt preismäßig in einer anderen Liga.“ Eher Forum Alpbach.

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Anna Jeller