Veronika Glatzner

Veronika Glatzner ist Regisseurin und Schauspielerin

Foto: Kosmos-Theater

Ein schöner Sommer geht zu Ende, während dem sie aber nicht fünf Bücher lesen konnte wie Freunde von ihr, mit denen sie unterwegs war. "Ich habe zwei Kinder mit sieben und neun Jahren, da blieb nur Zeit für ein Buch, das ich konzentriert lesen konnte." Und das war heuer: Die Dinge – Eine Geschichte der Frauen in 100 Objekten von Annabelle Hirsch. Eine antike Amazonen-Puppe, ein Lilith-Amulett, die Nonnen-Krone der Hildegard von Bingen oder venezianischen Stelzenschuhe werden darin beschrieben und eingeordnet. "Dabei wird auch eine oft traditionell männliche Geschichtsschreibung gerade gerückt."

Zurzeit inszeniert sie das Stück Im Taubenschlag von Barbara Juch für das Kosmos Theater, "das drei Agentinnen bei der Arbeit zeigt". Darin geht es um Wien als Spionage-Hub für die Russen, was sie insgesamt als "sehr beängstigend" empfindet. "Wir kommen gerade nicht umhin, politisches Theater zu machen und zum Beispiel diese teils völlig obskuren Geschichten aufzuarbeiten, die da vor unseren Augen passieren und immer wieder auch verharmlost werden." Das Stück behandelt auch die Verführbarkeit Österreichs durch das prorussische Narrativ, das in viele kleinere Kulturinstitutionen einsickert, "in denen dann antiwestliche Stimmung gemacht wird, die schwer zu greifen ist, weil sie so seltsam sanft daher kommt". Was sie vielleicht gar nicht will, wovon sie aber ausgehen kann: Dass dem Wladimir Wladimirowitsch in Moskau berichtet wird, welches Stück da ab 7. Oktober in Wien läuft.

See der Schöpfung von Rachel Kushner hat sie im Zuge der Recherche gelesen, nachdem sie auf der Suche nach einer guten female Spy-Story war. "Die Klassiker des Genres drehen sich ja alle um männliche Protagonisten, die Frauen kommen darin bestenfalls als Sekretärin oder Femme fatale vor, die auf das Klischee des Honey Trappings reduziert werden." Die Heldin dieses Buches hingegen ist eine skrupellose Badass-Spionin mit analytischem Blick, die verschiedenste Milieus lesen und analysieren kann. Anzunehmen, dass auch die Russen längst mit solchen Spioninnen arbeiten.

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Erdem Tunakan