Hans der Weltumsegler
Foto: Rebhandl
Hans ist 62, es geht ihm gut. Ich treffe ihn im Zug von Villach nach Wien. Er war gerade in Isola, wo er zwei Boote liegen hat, eines mit Segel, das der Segelschule Wolf gehört, und eines mit Motor, auf beiden unterrichtet er. „Ich liebe es, Wissen zu vermitteln. intensiv unterrichte ich seit drei Jahren.“ Selbst segeln tut er, der in Wels arbeitet, seit seinem achten Lebensjahr.
„Ich bin Mödlinger von einer Kärntner Mutter und einem Waldviertler Vater, der gerne gerudert hat, da durfte ich öfter mit. Zum Segeln aber bin ich über einen lieben Freund gekommen, dessen Eltern ein Haus am Mondsee hatten und dort beim Segelclub Schwarzindien https://www.scsmondsee.at/ Mitglied waren, dort habe ich bei den Optimisten (Optisten-Jolle Bootsklasse für Kinder) angefangen und war immer gleich vorne mit dabei von der Geschwindigkeit her.“ Irgendwann gab es dann eine Startlinie und einen Schuss, und ab da ist er mit dem kleinen Opti-Segel um den Sieg gefahren. „Später mit einem Laser (einer Einhand-Jolle), mit einem 4,70er (4,7 Meter langes Boot) und schließlich mit einem FD (Flying Dutchman), da fährt man zu zweit, da hast du schon einen Vorschoter, da hängt schon einer im Trapez und der andere steuert.“
Logistisch und finanziell hatte er die Möglichkeit, überall mitzufahren. „Man muss bei einem Verein und bei der Österreichischen Sailing Federation Mitglied sein, und für jede Klasse brauchst du natürlich ein neues Boot, ein neues Segel, eine neue Pinne, die ist dann nicht mehr aus Holz, sondern aus Kunststoff…. Es wird immer teurer.“
Die Faszination am Segeln? „Durchs Wasser zu fahren, gegen den Wind, gegen dein eigenes Ego, gegen das Können der anderen.“ Mit der Zeit lerne man auch die Gewässer kennen: „Am Mondsee fährst du halt zur Drachenwand hin, und dort ist der Fallwind ein bisschen stärker als 50 Meter weiter rechts. Dann lernst du, wo die Strömungen rein kommen, lernst, wie es ist, hinter jemandem in der turbulenten Luft zu fahren oder in laminarer Strömung, wenn ich vor ihm fahre.“
„Alle Kinder können gut trimmen, weil wenn du auf der kleinen Jolle ziehst, spürst du gleich die Wirkung, das Boot hat ja kein Gewicht. Wenn du dann aber mit einem großen Boot fährst am Meer und die gleichen Trimmbewegungen machst, spürst du die Wirkung nicht, aber du weißt, dass du nach einer halben Stunde eine Bootslänge vorm anderen bist, nur mit ein bisschen Zupfen.“
Aufs Meer kam er erst „so mit 22, vielleicht 25, auf die Adria, wo ich bei den ersten großen Regatten hinten nachgefahren bin, weil da gab es schon welche, die sehr viel mehr gefahren sind als ich. Aber wenn du die Erfahrung vom Jollensegeln hast, bist du trotzdem immer vorne mit dabei.“
Er hatte immer Schiffe. „Einmal einen Katamaran auf den Seychellen. Den kauft man neu in einer Werft, indem man einen Leasingvertrag abschließt, aufs Boot geht und damit auf die Seychellen segelt, wo man schaut, dass man die Leasingrate reinbringt, indem man ihn verchartert.“ Den Katamaran kaufte er nur deswegen, weil sehr, sehr viele Leute darauf Urlaub machen können, „da passen acht Leute drauf, wenn zwei im Salon schlafen, sind es zehn. Meist fährt man dort mit dem Motor und segelt weniger, weil auf den Seychellen kann man eigentlich nicht segeln, da ist sehr wenig Wind. Man dümpelt von einer Insel zur anderen, von Mahé nach La Digue nach North Island nach Marianne, da ist man halt immer so einen Tag unterwegs.“
Zwei Mal ist er schon um die Welt gesegelt: „Zuerst mit einer 45 Fuß langen Mono, das war 2000, die haben wir zu viert besessen, sie ist in Puerto de Mogán auf Gran Canaria gestanden. Vorher sagt man seinen Kindern und der Ex-Frau, dass man weg ist, kauft sich einen 50 Kilo Sack Reis wegen der Kohlehydrate, weil den kannst du mit Salzwasser kochen, 1000 Liter Wasser, und den Fisch fängst du eh draußen und isst ihn gekocht oder getrocknet oder roh, wenn ihn dir nicht der Seelöwe wegschnappt, der aufs Boot springt.“
Klopapier? „Nein! Zahnbürsten ein paar, keine Sonnencreme, weil immer langärmeliges Leiberl und Taschentuch auf dem Kopf oder Kapperl oder warme Haube.“ Beim ersten Mal hatte er fürs Entertainment einen Compaq Laptop mit einem CD-Laufwerk mit, darauf hat er sich die Encyclopedia des Wissens reingezogen, 4 CDs von Microsoft. „Danach kannst du irrsinnig viele Gedichte...“
Witzig: „Am Indischen Ozean hab ich einmal geschlafen und bin fast Bug auf Bug mit einem Schweizer zusammen gestoßen. Er hatte viel Science-Fiction-Bücher mit, der war Programmierer. Ich selbst bin Techniker, Maschinenbauer, Mechatroniker, Optikschleifer und so weiter und habe viel altes Wissen und Prosa mitgehabt. Wir haben uns dann zusammengehängt und Bücher ausgetauscht, ein paar Tage miteinander verbracht, und dann fuhr jeder wieder in seine Richtung weiter.“
Als er über den Atlantik fuhr, hat er einmal 28 Tage lang niemanden gesehen. Von Gran Canaria fuhr er auf die Cap Verden und dann bis nach Grenada rüber in einem durch. „Da hatte ich aber fast eine ganze Woche totale Flaute, da ist gar nichts passiert, im Gegenteil hat mich die Strömung zurückgeschoben, das merkt man auf dem GPS.“ Bei der ersten Umsegelung hatte er nur ein Garmin-GPS ohne gescheiten Plotter mit.
2022 ist er nach Santiago de Chile geflogen und dann mit dem Bus zwei Tage hinunter nach Valdivia, von wo er mit einem Freund zusammen durch die Straße von Patagonien gesegelt ist, das Boot hatten sie während der Pandemie dort zurücklassen müssen. „Der Freund ist mit seiner Frau jetzt schon fünf oder sechs Jahre unterwegs, von Sardinien aus übers Mittelmeer auf die Kanaren und dann nicht in die Karibik, sondern hinunter nach Brasilien und mit dem Spinnaker um den Leuchtturm des Südkaps herum - das nennt man Vorwindsegeln, wenn du von Osten nach Westen reist….“
Gemeinsam fuhren sie damals hinauf nach St. Joseph's Island, und dann, am 12. April 2021, ragten mitten im Meer, im Nichts, mehrere riesige Felsen heraus, Überbleibsel eines großen zerbrochenen Kraters, der zerbrochen ist, das war in der Pandemie. „Dann kamen wir nach Panama, wo sie zu uns aufs Boot kamen und zuerst sagten: Nein, wir dürfen nicht an Land. Wir mussten ihnen unsere Pässe geben, mit denen sie abgehaut sind, die Pässe haben sie mit Alkohol geputzt, alles sehr lustig. Dann haben sie uns plötzlich einen Stempel für ein Jahr gegeben.
Auf Panama haben sie Fleisch und Fett gekauft und Senfkörner, und dann auf dem Boot Leberkäse, Senf und Semmeln selbst gemacht. „Du hast ja Zeit. Wenn er missling, machst du einen zweiten….“ Der Müll wird penibel gesammelt, er haut nicht einmal die Tschickstummel ins Meer. Er kennt die riesigen Dreckinseln mit „einer Milliarde Colaflaschen, einige Länder fahren mit riesigen Schiffen raus, sammeln mit Förderketten, pressen den Müll und fahren wieder zurück. Das meiste ist aber in der Schwebe, sackt ab. In den Überbevölkerungsländern wie Indien oder Pakistan wird alles ins Meer gekippt oder über die Flüsse ins Meer getragen, der Tsunami hat auch unfassbare Mengen Dreck ins Meer gespült.
Unwetter? „Richtige Unwetter hast du am offenen Meer nicht, die hast du nur, wo Land, Wind und Meer quasi aufeinander treffen. In der Karibik hat man viele Inseln, da gibt es diese Wechselwirkung zwischen Land und Meer, und auch Unterschiede zwischen Norden und Süden, die Sonneneinstrahlung ist wichtig. Das führt zu enormen Schwankungen des Luftdrucks, und da entstehen dann diese Wirbelstürme.
Angst? „Angst musst du haben, bevor du wegfährst. Aber wenn du unterwegs bist, bringt es nichts, sich zu fürchten. Um abzusaufen, müssten schon sehr viele Dinge gleichzeitig passieren, müsste man sehr viele Fehler machen. Auch, wenn etwas kaputt ginge am Schiff, wärst du selbst schuld, weil du zu faul warst, vorher etwas zu reparieren. Sobald irgendwo ein paar Drähte rausschauen, musst du sie verlöten.“ Und wenn man ins Wasser fiele und hinter dem Boot zurückbliebe, würde es nicht lange dauern, und man wäre tot. “Nach spätestens 30 Minuten wirst du bewusstlos, weil dir das Meerwasser die Körperwärme entzieht, auch am Äquator, so viel kannst du gar nicht schwimmen.”
Die 16,5 Monate, die er für die erste Weltumsegelung brauchte, nennt er „relativ flott“, die „Around the globe“-Segler brauchen ca. 70 Tage, aber da stecken Millionen Euro und extremes High Tech dahinter. Und die fuhren nicht so wie er mit anderen auf dem Katamaran während des Zweiten Golfkriegs einmal durchs Rote Meer vorbei an Bab-Al-Mandab (https://de.wikipedia.org/wiki/Bab_al-Mandab), dem südlichen Ausgang, vorbei an Dschibuti, Aden und der Halbinsel https://de.wikipedia.org/wiki/Sokotra, von wo es bei 3 ° südlich Richtung Seychellen geht.
Dort hörten sie über Funk:
„This is Coalition Warship, please cooperate. Wer seid ihr, woher kommt ihr her? Do you have any questions?“
Die hatten sie: „Wie schaut es aus mit Piraterie aus?“
Antwort: „As long as we are here there is none!“
„And if so?“
„We´ll be with you in a few minutes. You can call us by VHF!“
“Oida, Ultakurzwelle! Ich hab mit einem oder vier Watt gesendet, die haben mich aber laut und deutlich verstanden, obwohl ich sie nicht einmal am Radar gesehen habe, das schaut ungefähr zwölf Seemeilen.“
Einmal hat er welche getroffen, die ihm Diesel zum Tanken gegeben haben. Er bat um 100 Liter, die verstanden 100 Gallonen und habe mir das Dreifache senkrecht in einem Rohr runtergeschickt, mir hat es hinten den Stoppel rausgehaut, das ganze Boot war voller Diesel.“ Auf den Seychellen musste er es rausheben und komplett ausspülen lassen.
Ein schönster Ort? „Was ist schön? Ist es schön fürs Auge, schön zum Segeln, schön zum Schwimmen? Zum Tauchen? Die Seychellen sind schon ein Wahnsinn, weil die Flora und der Fischreichtum unglaublich sind. Aber auch Las Perlas südlich von Panama, da ist das Wasser ein bisserl wärmer und nicht so klar wie auf den Seychellen…
Den Himmel über dem Meer liebt er, „der ist jeden Tag anders. Sonnenauf- und Untergänge, Mondauf- und Untergänge. „Unbeschreiblich! Wer je die Möglichkeit hätte, es zu sehen, und es nicht tut, der ist selbst schuld.“
Außerdem: „Wenn eine Brise kommt…. du lässt das Segel raus … auf einmal fängt es an, unter dem Boot zu gurgeln… du siehst, dass du zehn km/h fährst, es geht ganz leicht bergauf und bergab, so wirst du in den Schlaf gewogen…“
„Unbeschreiblich!“
If you love me, love me! https://rebhandl.me/donate-me DANKE IM VORAUS!