Peter und Ola

Ola und Peter vor dem Bahnhof Fabryczna in Łódź

Foto: Rebhandl

Peter ist 24, es geht ihm gut. Ebenso seiner guten Freundin Ola, die 22 ist und nach der Kurzform des Mädchennamens Aleksandra gerufen wird. Ich treffe die beiden außerordentlich freundlichen jungen Menschen vor dem absurd riesigen Bahnhof Fabryczna in der mittelpolnischen Stadt Łódź, wo ich jemanden suche, der Englisch spricht und mir verraten könnte, wie ich mit Bus oder Tramway zum Stadion Miejski komme, das mit vollem Namen Stadion Miejski im. Władysława Króla (https://de.wikipedia.org/wiki/Stadion_Miejski_im._W%C5%82adys%C5%82awa_Kr%C3%B3la) heiß, benannt nach dem Fußball- und Eishockeyspieler Władysława Król, das ich mir bei Sauwetter anschauen möchte.

Und siehe da! Peter spricht nicht nur Englisch, sondern sogar Deutsch! Er stammt aus der eineinhalb Zugstunden entfernt liegenden Hautstadt Warzawa, die er als „sehr schön und sehr grün“ beschreibt, „der Lebensstandard ist sehr hoch. Mit den öffentlichen Verkehr kann man praktisch überall hinkommen, es ist das Zentrum des Partylebens, der Kultur, der High-Technology und der  modernen Architektur.“

Deutsch spricht er, weil er für sechs Monate als Erasmus-Student nach Wien kam und Geschichte studierte, seine Schwester lebt schon seit zehn Jahren im 21. Bezirk, das er routiniert und richtig als Floridsdorf bezeichnet und ausspricht. „Ich finde Floridsdorf richtig gut“, sagt er auf Deutsch, „Despite the fact it is Floridsdorf!“, ergänzt er auf Englisch. Besonders genoss er die Tramwayfahrten mit dem 31er zum Schwedenplatz. Um den Ruf des Bezirks weiß er also Bescheid. Einmal war er gerade am Stephansplatz, „and I was wondering what was the more tough district: Floridsdorf oder the Favoriten?“ Also fuhr er mit der U1 hinaus, „and the change of landscape was: Uooooah! Very different!“ Aber er genoß den bekannt guten Kebab des bekannten Kebabanbieters auf der Favoritenstraße, wo sich auch bei seinem Besuch eine Schlange gebildet hatte.

Von der Universität war er begeistert, „vom very high level of education. Man kann sehen, dass die Universität Wien viel Geld hat“ - (wenn er bloß wüsste!) – „im Vergleich zur Universität Warschau jedenfalls.“ Das Gebäude der Hauptuni findet er beeindruckend und schön, „alles ist sehr gut organisiert.“ Er sah viele Unterschiede zu Warschau, aber auch viele Ähnlichkeiten. Wenn Ola ihn besuchte, dann verbrachten sie ihre Zeit am liebsten im Alt Wien, dem Café Kafka und dem Phil. Im nächsten Jahr sind in Polen Wahlen, und da schlankern ihnen ein bisschen die Ohren, denn sie befürchten einen Rechtsruck, der sich gewaschen hat. Auch wenn man nicht Polnisch spricht, hört man allenthalben in der U-Bahn oder im Zug das Wort “Ukrainski”, und es klingt nicht immer so, als würde man freundlich über sie reden.

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Johann