Cordula Reyer
Cordula Reyer, 64, ist Journalistin und Model. Foto: Cordula Reyer
„Ich war lange keine Leserin“, sagt sie erfrischend ehrlich, sonst sind ja alle immer „Musil-Leser“, mindestens! Dabei gab es bei ihnen zuhause sehr viele Bücher, weil Vater Walther Reyer, der Schauspieler, ja berufsbedingt immer gelesen hat und Mutter Claudia noch immer sehr viel liest, erst unlängst schenkte sie ihr ein Buch über Michelangelo. „Und sie redet dann auch so gerne darüber und hat 1000 Tipps für mich!“
Erst mit 18, als sie international zu modeln begann, griff dann auch sie zu Büchern, „weil es da ja noch kein Handy gab und man zwischen den Schauen sehr viel Zeit totschlagen musste.“ Wenn sie für YSL in Paris beispielsweise Haute Couture machte, „war ich eine Woche mit anderen Mädchen zusammen, man hat gewartet, bis man zu ihm gerufen wurde, dann hat er Stoffe um einen drapiert.“ Die Mädchen, die nicht bei ihm waren, haben währenddessen Karten gespielt oder sich unterhalten oder gelesen. Sie las Simone de Beauvoir oder Der Fremde. Seit sie zeitweise auch in LA lebt, greift sie vornehmlich zu englischsprachigen Büchern: Joan Didion, Eve Babitz oder ein Buch über Musikproduzent Rick Rubin, das sie vom Sohn geschenkt bekommen hat. Auch hat sie alle „Machos“ gelesen: Max Frischs Homo Faber, Hemingways A Moveable Feast, Bukowski oder Miller.
Ihr Lieblingsbuch ist schon recht abgenudelt, weil sie es so oft gelesen hat, die genauen Daten sind im Buchinneren markiert: 2011 hat sie es gekauft (und gelesen), 2015, 2019 und 2024 wiedergelesen, also alle vier bis fünf Jahre. Franny and Zooey vereint zwei Erzählungen, die er schon früher veröffentlichte. „Es ist eine Geschwistergeschichte, beschreibt die Dynamiken einer großen Familie, die Schwierigkeiten, die es manchmal gibt, und wie Geschwister einander helfen können, weil sie sich so gut kennen.“ Oder wie er die Beziehung zwischen Sohn und Mutter beschreibt! „Sie macht sich ständig Sorgen, gibt ihm 1000 Tipps, nervt ihn, und trotzdem liebt er sie.“ So wie sie ihre Mutter, die ihr erst neulich den Tipp gegeben hat, Krieg und Frieden zu lesen. Das liegt aber noch ungelesen herum, weil: „Zu dick!“