Olga Kosanović

Emil Brix, 69, ist Diplomat, Kulturpolitiker und Historiker

Foto: Emil Brix

Ihr sieben Monate alter Sohn schläft gerade. „Er ist Österreicher und auch Serbe, da ich selbst noch immer Serbin bin. Bevor ich die österreichische Staatsbürgerschaft bekomme, muss ich die serbische zurücklegen.“ All das hat sie in ihrem Erfolgsfilm Noch lange keine Lipizzaner verarbeitet, nachdem sie immer dachte, sie wäre Österreicherin. Bis man ihr am Amt sagte, sie wäre es nicht. (Der Film wurde übrigens von dem Staat gefördert, dem sie gar nicht angehört. „Da schließt sich so ein poetischer Kreis.“)

Im Herzen ist sie längst „eher Österreicherin in meinem kulturellen Dasein, was die Musik angeht, vielleicht aber noch ein bisschen mehr Balkan.“ Obwohl sie in Ottakring wohnt, hört sie selten Balkan-Rap, der dort gerne aus Autofenstern dröhnt, sie mag mehr „die Ex-jugoslawische Rockmusik oder tatsächlich auch alte Volkslieder.“ Es gab eine gute Musikszene in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren in Jugoslawien, die hört sie jetzt auf Schallplatten, die sie von ihren Eltern bekommen hat.

Liest sie gerne Migrantenliteratur? „Nein, würde ich nicht sagen. Ich lese am liebsten Zeitgenössisches wie Barbi Markovics‘ Die verschissene Zeit, ein tolles Buch. Darin geht es um die 90er-Jahre in Belgrad, die ja wirklich schrecklich waren, um eine Jugendbande, die in einer Art Zeitschleife gefangen ist, weil sie in ihrer Kindheit nur Schreckliches angestellt hat. Es ist trotz des schweren Themas wahnsinnig leichtfüßig, bunt und tragikomisch. So arbeite ich auch in meinen Filmen, wenn es möglich ist. Kunst muss immer eine Haltung haben, es muss um etwas gehen, aber es darf ruhig auch Spaß machen!

Irgendwann würde sie das Buch gerne verfilmen, und sie ist auch schon im Austausch mit der Autorin. „Barbi will ja auch, dass ihr Buch auf der Leinwand fetzt. Sie war anfangs skeptisch, aber als sie meinen Film gesehen hat, hat sie gemeint: Na gut, könnte vielleicht funktionieren.“ Zur Premiere würde sie dann jedenfalls als Österreicherin auf die Bühne treten, vielleicht zusammen mit ihrem Waschechter-Österreicher-Sohn, dem das bunte Cover des Buches sehr gut gefällt!

https://buchkontor.buchkatalog.at/die-verschissene-zeit-9783701716982

Weiter
Weiter

Philipp Blom