Robert Herzl
Robert Herzl, 50, ist Schauspieler, Drehbuchautor, Regisseur und Filmproduzent
Foto: Herzl
Letztes Jahr drehte er zusammen mit Oliver Paulus eine Mischung aus "Boulevardkomödie und Hardcorehorror, für die ich die Bezeichnung Boulevardcore verwende" – Bernadette will töten. "Das Publikum ist mittlerweile deutlich interessierter an Filmen, die abseits der ausgetretenen Pfade wandern. Jeder Youtuber kann dir heute die Standard-Regeln fürs Drehbuchschreiben erklären. Um das Publikum zu überraschen, muss man aber Erwartungshaltungen unterlaufen und es trotzdem bei der Stange halten."
Seine Liebe zum Genre Detektivroman begann mit Sherlock Holmes und juvenilen Allmachtsfantasien: "Mit 12 bin ich richtig reingekippt. Da kommt man langsam drauf, dass manche Dinge im Leben nicht funktionieren. Eine Figur, die in das größte Chaos mit größter Überlegenheit immer eine Auflösung hineinbringt, ist da sehr beruhigend." Hingegen würde bei Dashiell Hammetts Helden – bei Sam Spade, dem Continental Op und Nick Charles – oft das Prinzip des Chaos und der Anarchie herrschen, um die Handlung voranzutreiben. "Wenn die irgendwo anstehen, zücken sie eine Pistole, erzählen eine Lüge oder schlagen jemanden nieder, um das ruhige Wasser in Bewegung zu bringen." Und nur sie wissen dann, wer dieses Chaos verursacht hat.
"Hammett begann mit Kurzgeschichten, und in Das Haus in der Turk Street vereinen sich meisterhaft drei längere zu einem zusammenhängenden Ganzen – was der Leser erst auf den letzten Seiten merkt!" Was ihn fasziniert, ist das Erkunden von Parallelwelten. "Optisch bringen wir Hammett stets mit dem Film noir und seiner kargen Ausstattung in Verbindung. Aber er war ein Zeitgenosse von Schnitzler und Zweig, und San Francisco bunt und verschnörkelt." Der Continental Op, sein Lieblingsheld, war obendrein nicht gutaussehend, sondern klein, dick und mit Glatze. "Dass er so zynisch und cool rüberkommt, dürfte der Unsicherheit eines optisch durchaus fehlerhaften, sehr unattraktiven Mannes geschuldet sein, der sich die harte Schale zulegen musste, weil er dieser coole Hund eben nicht war.”