Walter Gröbchen

Walter Gröbchen, 64, ist Journalist, Blogger, Autor und Musikverleger

Foto: Gröbchen

Gerade erschien das Buch Wien du tote Stadt mit großartigen Fotos von Michael Snoj aka Kodak, einem Wiener Punk der ersten Stunde. „Das beeindruckende Portrait einer Miniszene“ nennt es Gröbchen, der selbst kein Punk war, wie sein Beitrag zum Buch verrät, sondern mit seinen langen Haaren eher ein Hippie. „Nur wenige Leute wie der Kodak sind damals nach London gefahren und haben sich angeschaut, was dort los ist.“ Er selbst schaute immerhin ins Amerlinghaus oder in die Gassergasse. „Und in der Trafik am Westbahnhof konntest du mit Müh‘ und Not ein paar englische Musikzeitschriften kaufen. Aber das haben nur wenige getan.“

Als er 1980 maturierte, „wurden die 70er-Jahre von Punk und New Wave so dramatisch weggefegt, dass es g‘staubt hat.“ Nicht nur musikalisch, auch in der Literatur: „Damals gab es den Hannibal Verlag von Robert und Erika Azderball“, wo The Boy Looked at Johnnyein Nachruf auf den Rock‘n‘roll von Julie Burchill erschienen ist. „Ein wichtiges Buch , das vom 1987 verstorbenen Chuzpe-Bassisten Christian Brandl übersetzt wurde.“ Er erinnert sich auch an die 1984 erstmals erschienene Kompilation Rawums mit Texten von Peter Glaser, Rainald Goetz oder Clara Drechsler.

Ende der 70er Jahre verschlang er Sci-Fi-Literatur, nicht wenige Bücher besorgte er sich in Romantauschbörsen, von denen es heute noch eine Handvoll gibt. Ein Buch, das er seither immer wieder gelesen hat: Das Jahr der stillen Sonne von Wilson Tucker aus dem Jahr 1970. „Ein vergessener Großer der Sci-Fi-Literatur, der aus der Mode gekommen ist wie viele aus dieser Zeit. Dabei erzählen diese Bücher wahnsinnig viel über unsere Gegenwart.“ Das Buch beschreibt Zeitreisen zur Ermittlung zukünftiger politischer und sozialer Ereignisse, quasi in ein heutiges Amerika. Der Präsident schickt Soldaten dorthin, sie kommen nicht zurück. „Die Zukunft erscheint in diesem Buch nicht in strahlendem Licht. Mich beeindruckte die Lakonie, das Depressive. Es gibt keinen Glamour und kein Happy End. Eine solche Dystopie war damals nicht vorstellbar, weil die USA noch Vorreiter der freien Welt waren.“

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Caroline Rainer