Sophie Resch
Im Wiener Bernhard-Ensemble sind sie ungefähr sechs fixe Schauspieler, monatliches Geld zu bekommen – „Das ist schon mal was!“ Seit sie zwei kleine Kinder zuhause hat, weiß sie das besonders zu schätzen. Wegen der üblichen Doppelbelastung kam sie daher in letzter Zeit auch nur zum Lesen weiterführender Texte oder solcher, die mit den Produktionen zu tun hatten, in denen sie gerade spielte oder die sie inszenierte. Bis Mai noch ist ihr Mash up Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken…? im Off-Theater zu sehen, für das sie Greta Gerwings Film Barbie mit Elfriede Jelineks Debütstück Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hat? aus dem Jahr 1979 vermischte. Da packte sie 300 Seiten Recherchematerial rein, „auch gute feministische und kapitalismuskritsche Texte wie Şeyda Kurts Radikale Zärtlichkeit.“
Dabei hat sie auch nichts gegen gut gereifte Literatur von Männern, zu der sie immer wieder gerne greift: Auf den großen Daniil Charms kommt sie als von Grund auf humorvoller Mensch immer wieder zurück, „denn der hat auch Humor als Überlebensstrategie gewählt, unterstelle ich ihm mal.“ Und das wohnt ihr eben auch so ein bisschen inne: „Ich mag es, wie er Sinn und Unsinn und Witz und Verzweiflung und Schmerz zusammen mischt und dabei intelligente Prosa und Lyrik schreibt. Diese absurde Art von Humor wie in Trinken Sie Essig, meine Herren! kommt der Wahrheit oft viel näher als Literatur, die so klar auf etwas verweist.“ Selbstverständlich hat sie auch ein Lieblingsgedicht von ihm, das sie als Schauspielerin schon oft als Vorsprechmonolog verwendet hat, es steht in Das Blaue Heft Nr. 10.
Von David Foster Wallace begeistert sie sein schmales Büchlein Am Beispiel des Hummers, in dem er das alljährliche Hummerfestival an der Küste von Maine beschreibt, wo 9000 Kilogramm des Tieres zubereitet und verspeist werden. „Wie er dabei Ironie mit Mitgefühl paart - da docke ich extrem an, das macht etwas mit mir.“ Nur zur Hummeresserin machte es sie nicht.