Abas
Foto: Rebhandl
Abas ist 20, es geht ihm gut. Der elegante junge Herr geht in der Lugner-City gemessenen Schrittes vor mir her in seinem langen Mantel, die Frisur sieht von hinten absolut top aus. Er fährt dann auch noch auf der Rolltreppe vor mir hinunter, und als wir beide zum Ausgang Richtung Café Weidinger schreiten, schön langsam, halte ich ihn vor dem Dorotheum auf, wo wir nun stehen in unseren Anzügen: „Verzeihung, der Herr, darf ich Sie fragen, warum Sie so gut gekleidet sind?“ Für die Lugner-City sogar unüblich sehr gut gekleidet! Sagt er, er wäre an jedem Tag gut gekleidet, ginge nie ohne Hemd, Krawatte und Sakko oder Weste außer Haus, und wenn es die Temperatur verlange, dann trage er natürlich einen Mantel. Einkaufen tut er nur online bei Zalando und Zara, und dann richtet er sich daheim fesch her. Seine Familie stammt aus Somalia, wo man sich auch fesch anzieht, aber halt anders. Gerade macht er eine Ausbildung, und da ist ihm umso wichtiger, dass er fesch angezogen ist. Wie die Mädchen darauf reagieren? Naja, wie auf alles halt: Zwiespältig. „Den einen gefällt es, den anderen nicht.“ Aber denen seine Panier nicht gefällt, denen gefallen auf jeden Fall seine Haare. An denen arbeitet er selbst jeden Tag 15 Minuten herum, mit Öl und allem. Und wenn es dann passt, geht er außer Haus. Und wenn das Haar unter Tags mal „beschädigt“ wird, richtet er es halt wieder. So muss es sein. Wir wünschen einander einen schönen Tag und verabschieden uns, er geht in der Lugner-City da hin und ich gehe dort hin.