Ilap
Foto: Rebhandl
Ilap ist 23, es geht ihm gut. Ich treffe ihn bei einer Art Frühlingsfest (Info siehe unten) der indischen Religionsgemeinschaft der Sikhs am Wiener Heldenplatz, ausgerechnet am Ostersonntag, dem höchsten Feiertag der Christenheit. In schönstem Wienerisch erzählt mir Ilap, dass er ursprünglich aus dem nordindischen Bundesstaat Punjab stammt, mit seinen Eltern aber seit 13 Jahren in Wien lebt. Im 17. Bezirk besuchte er die Volksschule Rötzergasse, danach kurz ein Gymnasium, bevor er die Matura in einer HTL ablegte und nun im Masterstudium ist. Heute wohnt er im 21. Bezirk, insgesamt würden „um die 25.000 Sikhs in Österreich leben“, sagt er. Gesprochen wird neben Wienerisch auch Panjabi.
Ilap trägt heute eine traditionelle Bana oder Chola, die Kleidung der Sikh-Krieger. „Sie wird aus einem einzigen, sieben Meter langen Stück Stoff gefertigt und geht vorne wie ein Hemd auf.“ Fünf Farben werden traditionell getragen: Weiß, Schwarz, Blau, Gelb und Orange. Der Original-Kriegsturban, den er trägt, „eignete sich sehr gut zum Laufen oder Reiten.“ Seine Haare darunter gehen ihm bis zur Hüfte.
Alle Waffen, die er heute trägt, dienten traditionell zur Selbstverteidigung: Der Speer ist aus Stahl, der Degen heißt Kirpan, das kleinere Messer dient zur Opfergabe, „denn wenn wir essen, opfern wir etwas den Göttern. Und der Stoßdolch Katar ist einzigartig für den Indischen Subkontinent.“
Er bittet mich kurz, leise zu sein, als sie eine religiöse Zeremonie abhalten: „Ein kurzes Dankeschön an den Allmächtigen, was wir immer tun, bevor wir etwas anfangen oder nachdem wir etwas beendet haben.“
Im Herzen, sagt er, wäre er natürlich nach wie vor Punjabi, allerdings möchte er dem Land Österreich danken, „dass ich hier vermutlich ein besseres Leben habe als ich es zuhause hätte, und dass ich eine gute Ausbildung genießen kann. Nichtsdestotrotz darf man nicht vergessen, wo man herkommt. Beides geht sehr gut zusammen.“
Und wir können ihm und den Seinen nicht genug danken, dass sie unsere schöne Stadt noch ein wenig schöner, bunter und fröhlicher machen.
Infos:
Am 14. April feiern die Sikhs Khalsa Sajna Diwas, Gründung des Khalsa. Khalsa heißt wörtlich „rein“ und meint die Bruderschaft des Khalsa. Der zehnte Guru Gobind Singh (1666-1708)….
10. Guru Gobind Singh
…. gründete 1699 am Fest Vaisakhi die Gemeinschaft des Khalsas (Sikh military community) mit einer Tauf-Zeremonie. Für die Sikh ist dieses Fest wie ein kollektiver Geburtstag. Zugleich fällt dieses Fest mit dem traditionellen Frühlings-Erntefest nach dem Sonnenjahr am 13. bzw. 14. April zusammen (Baisakhi). Die Leute tragen neue Kleider und machen sich gegenseitig Geschenke. Das Fest wird in den Gurdwaras im ganzen Land mit Gebeten, Kirtans (religiösen Gesängen), und Lesungen aus den Granth Sahib-Schriften begangen, gefolgt von gemeinsamem Essen und Tanzvorführungen sowie Prozessionen und Umzügen. Das Hauptfest findet in Anandpur Sahib statt, heute aber auch in Wien.