Silvia und Massimo - Pornodarsteller
Foto: Rebhandl
Ich treffe die beiden, als sie zur Eröffnung des diesjährigen Wiener Pornofilmfestivals durch die große Halle im Semperdepot schlendern. Beide tragen wunderschöne Namen: Silvia Marcantoni Taddei und Massimo Sannelli. Silvia wird am 26. November dieses Jahres 31 Jahre alt, Massimo wird einen Tag später 53. Ihre beinahe vollkommene Verbindung zeigt sich schon an ihren Geburtsdaten, ihre identischen Rückentattoos manifestieren diese. „Wir sind eine Person in zwei verschiedenen Körpern“, sagt Silvia. „Wir teilen nicht nur Leben und Arbeit, wir teilen alles.“
Sie trafen sich vor fünf Jahren „im echten Leben“, wie man so schön sagt, bald darauf begannen sie, gemeinsam Pornokunst zu produzieren. „Zuvor waren wir beide Musiker und haben nicht einmal daran gedacht, Pornokünstler zu werden. Wir begannen aus dem Nichts heraus!“, sagt Silvia. „Es war auch eine Frage des Geldes, als wir uns dafür entschieden: Lass es uns versuchen, es könnte ein Geschäft werden, sagten wir uns. And it worked!“
Die körperliche Anziehung als Basis für die Arbeit war da, denn: „Er ist ein schöner Mann!“, sagt sie. Worauf er mit einem zärtlichen Lächeln antwortet: „Das war ich mal. Jetzt bin ich alt.“ Aber auch er bestätigt, dass ihr Sexleben von Anfang an „exzellent und extrem erregend“ war. So erregend, „dass wir uns dachten, es könnte auch andere Leute, die uns dabei zusehen, erregen.“ Obwohl sie beide nicht eifersüchtig sind, leben sie in einer monogamen Beziehung und drehen auch mit niemand anderem Pornos. An polygamen Beziehungen findet Silvia natürlich auch nichts falsch, allerdings: „It´s simply not my cup of tea.“
Beide sind gebürtige Italiener, sie leben aber seit Jahren im serbischen Novi Sad: „Erstens ist es dort viel billiger als in den sogenannten westlichen Städten“, sagt Massimo. „Zweitens haben wir dort beide wunderbare Freunde. Und drittens hielten wir es dort, wo wir waren, nicht mehr aus.“ Sie sprechen über „viele komplizierte persönliche Situationen“, die sie hinter sich lassen wollten. Ein kompletter Neustart war die Folge.
They love each other.
Es gibt eine weltweite Pornofilmfestivalszene, über die Filmfreeway-Plattform reichen sie ihre Filme ein. „Diese können sowohl explizit als auch gar nicht explizit sein, es kann buchstäblich alles ausgewählt werden.“ Am Wiener Pornofilmfestival nahmen sie 2023 erstmals teil, heuer sind sie mit fünf Filmen vertreten, die sie dem Genre „Post-Pornografie“ zuordnen.
Dieses hatte in den frühen 90er Jahren mit Annie Sprinkle ihre Anfänge und ist heute eine Bewegung, die vor allem in Kunsthochburgen wie Berlin und Barcelona betrieben wird und dort fester Bestandteil der queeren Kunstszene ist. „Die Darsteller sind viel autonomer“, sagt Silvia. „Es gibt viel mehr künstlerische Aspekte, wir spielen und experimentieren mit Farben, Licht und Schnitt. Wir sind also mindestens so sehr Filmemacher und Künstler wie Pornodarsteller.“ Was ihr Equipment angeht, arbeiten sie zwar nicht mit altem analogem Film, aber immerhin „mit einem alten Smartphone“, lacht Sylvia. „Das gibt unseren Filmen eine besondere Note und Qualität, ziemlich lo-fi! Ein Mix aus roh und exquisit.”
Und was die im Mainstream-Porno so dominierende Bedeutung des männlichen Geschlechts und seiner Größe angeht, sagt Silvia: “We don't really deal with mainstream porn, but there are men artists in post-porn that have no cock because they are trans men/transmasc people, like Robin Astera or Carlos Raíz. So, virility is not about the size of the cock. As there are many wonderful women who are born with a cock and still have it, like the exquiste Vanniall.”
Manchmal haben ihre Filme sogar eine Story, meist aber auch nur explizite Sexszenen. Da sie ihr Material an Pinklabetv verkaufen, müssen sie sehr viel produzieren, um immer weiter verkaufen zu können. „Da ist es nicht möglich, an einer komplexen Story zu arbeiten“, lacht sie.
Am Samstag werden beim Wiener Pornofilmfestival die Preise vergeben. Vielleicht gewinnen sie ja? Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Check this out:
Silvia und Massimo sind auch Fotografen. Bis 21. April 21 haben sie eine Ausstellung im Atelier Blumentopf, Martinstrasse 74, 1180 Wien https://blumentopf.at/about.html
Was ist Post-Pornografie? https://www.fabrikzeitung.ch/was-ist-post-pornografie/#
Wer sind Silvia und Massimo? https://www.animaenoctis.com/
Wo findet man sie? https://www.instagram.com/animaenoctis.duo/
Wo reichen sie ihre Filme ein? www.filmfreeway.com
Wo kann man ihre Filme sehen? https://www.instagram.com/PinkLabelTV/
Was ist das Wiener Pornofilmfestival? https://www.pffv.at/